Angelin Preljocaj «Mythologies»
Alles kann zum Mythos werden, sagt Roland Barthes. In Angelin Preljocajs neuem Opus «Mythologies», das von Zeus und Ikarus bis Aphrodite und Minotaurus ein (nicht immer) hellenisches Feuerwerk abbrennt, ist der Philosoph die Brücke zur heutigen Welt. Preljocaj bezieht sich auf Barthes’ Essaysammlung «Mythen des Alltags», die ihm ein exzellentes choreografisches Motiv liefert: die Catcher. Ihnen gehört ein Bild des Stücks, in dem die zwanzig Tänzer*innen, mit schwarzem Kopfschutz bekleidet, an die Robocop-Miliz in Preljocajs «Roméo et Juliette» erinnern. Auch so ein Mythos.
Aber was ist ein Mythos? Wie entsteht er? Der Mythos macht sich die Sprache untertan, sagt Barthes. Und die Sprache, das kann auch der Tanz sein.
Das Fresko des Leiters des Centre chorégraphique national von Aixen-Provence führt zwei Kompanien zusammen: Zehn Tänzer*innen aus dem Hause Preljocaj treffen auf ebenso viele des Opernballetts Bordeaux, und das vor allem in den Gruppenbildern, die auch Kulturkreise wie die Maya evozieren. Doch folkloristisch wird das nie. Im Gegenteil: Die Kreter*innen tragen hier beinahe transparente weiße Gewänder, die sowohl zu «Schwanensee» als auch zu Isadora Duncan passen ...
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Tanz Oktober 2022
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Thomas Hahn
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