Zwischen Ufern
Radhouane El Meddeb steht auf einem Teppich aus weißem Ziegenleder, wendet dem Publikum seinen entblößten Rücken zu und starrt in die Ferne. Links liegt, ebenfalls weiß, eine Skulptur: ein toter Ziegenkörper. Erinnerung an das ländliche Tunesien? El Meddeb begann seine Laufbahn als Schauspieler, Regieassistent und Dramaturg in Tunis, bevor er sich im Alter von 26 Jahren in Frankreich niederließ. «Dort konnte ich mich zu meinem Wunsch bekennen, mich dem zeitgenössischen Tanz zu widmen.
» Der lederne Boden, auf dem er nun gen Horizont und Sterne tanzt, hat die typischen Umrisse eines Staats zwischen Meer und Wüste. Vorne eine unregelmäßige Küstenlandschaft, hinten schnurgerade Grenzlinien, wie mit dem kolonialen Lineal gezogen.
Nicht immer kreisen seine Stücke um die Folgen der Auswanderung. Doch seit 2011 ist seine persönliche Situation leitmotivisches Thema. Sein neuestes Solo, vorgestellt beim Festival «Montpellier Danse», trägt einen vielsagenden Titel, der übersetzt bedeutet: «An meinen Vater – ein letzter Tanz und ein erster Kuss». Hätte El Meddeb keine Tanzkarriere in Europa angetreten, wäre es ihm vielleicht vergönnt gewesen, sich von seinem Vater zu verabschieden, der kurz ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Politik: Unter Spannung, Seite 52
von Thomas Hahn
«Das Staatsballett ist ein aufregendes kosmopolitisches Ensemble mit Tänzern aus 32 Nationen»: Genau wie die Münchner sind alle anderen deutschen Kompanien stolz auf ihre Internationalität – ohne die zuwandernden oder eine Zeit lang hier arbeitenden Tänzer gäbe es keinen Bühnentanz in Deutschland. Was heute völlig selbstverständlich unter das Stichwort...
«Ich möchte Wege finden, den Körper auf der Bühne weniger subjektiv darzustellen.» Unter diesem Motto choreografiert der in zeitgenössischem Tanz und interkultureller Kommunikation ausgebildete Alfredo Zinola Stücke mit Seltenheitswert: Sie richten sich an Kinder unter sechs Jahren, ohne klassische Erzählstrukturen zu bedienen. Ein interaktiver Mix aus Bewegung,...
Sidi Larbi Cherkaoui, gibt es eine Grenze, vor der Ihre Vorstellungskraft zeitbedingt kapitulieren würde, etwa wenn Sie wie jetzt gerade die Barockoper «Les Indes galantes» in München inszenieren?
Das ist alles immer eine Frage des Einfühlungsvermögens. Wenn Sie mit einem Charakter konfrontiert sind, der einen Sklaven hält, ist es schwierig, sich in ihn...
