Die Hoffnungsträger
«Ich möchte Wege finden, den Körper auf der Bühne weniger subjektiv darzustellen.» Unter diesem Motto choreografiert der in zeitgenössischem Tanz und interkultureller Kommunikation ausgebildete Alfredo Zinola Stücke mit Seltenheitswert: Sie richten sich an Kinder unter sechs Jahren, ohne klassische Erzählstrukturen zu bedienen. Ein interaktiver Mix aus Bewegung, Körper, Licht und Kostüm lockt die Kleinsten in außergewöhnliche Zwischenwelten.
In «Primo» (2013) etwa dient ein Gartenpool mit eingenähten Sichtfenstern als geheimnisvoller Guckkasten: Schwerelos gleiten die Körper von Alfredo Zinola und Felipe González durch das orange schimmernde Nass. Die Hände als Element-Erspürer falten sich für ein Luftblasenspiel oder lassen die Wasseroberfläche vibrieren.
Poetische Bilder voller Sinnlichkeit und Fantasiebeflügelungskraft entstehen auch in «Nero» (2015). Das Stück über Dunkelheit zeigt, wie sich Formen in Bewegung verwandeln: Ein zeitlich gedehntes Abtasten der Wände mit dem Licht zweier Straßenlaternen ruft Assoziationen wach von am Nachthimmel kreisenden Satelliten; Taschenlampenstrahlen lassen unter aufgespannten T-Shirts Pailletten wie Bergkristalle glitzern.
Die von Zinola und ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 177
von Christine Matschke
«Glauben Sie, Gewalt ist unvermeidbar?» − Glaube ich das? Die Frage steht auf einem der Zettel, die Zuschauern in die Hand gedrückt werden, damit sie gemeinsam mit einem anderen Besucher über diese und ähnliche Fragen reflektieren. Denken, dabei gehen, einmal diagonal durch den Raum. Über eine Strecke von vielleicht 20 Metern gilt es nun, einem mir bislang völlig...
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«Das Staatsballett ist ein aufregendes kosmopolitisches Ensemble mit Tänzern aus 32 Nationen»: Genau wie die Münchner sind alle anderen deutschen Kompanien stolz auf ihre Internationalität – ohne die zuwandernden oder eine Zeit lang hier arbeitenden Tänzer gäbe es keinen Bühnentanz in Deutschland. Was heute völlig selbstverständlich unter das Stichwort...
