Auf Wanderschaft

Das Ballett ist die Kunst der Migranten und ist es immer schon gewesen

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«Das Staatsballett ist ein aufregendes kosmopolitisches Ensemble mit Tänzern aus 32 Nationen»: Genau wie die Münchner sind alle anderen deutschen Kompanien stolz auf ihre Internationalität – ohne die zuwandernden oder eine Zeit lang hier arbeitenden Tänzer gäbe es keinen Bühnentanz in Deutschland. Was heute völlig selbstverständlich unter das Stichwort Globalisierung fällt, hat eine erstaunlich lange Tradition.

Ballett ist die Kunst der Emigranten, sie standen auch im Zentrum seiner drei wichtigsten historischen Aufbrüche: Der Franzose Marius Petipa führte am russischen Zarenhof den Klassizismus auf den Höhepunkt, der Russe Sergei Diaghilew schuf mit seinen Ballets russes von Paris aus ein Laboratorium der Avantgarde, der Georgier George Balanchine begründete in den USA die Neoklassik. Keiner der drei hat diese epochemachenden Veränderungen in seinem eigenen Land bewirkt, keiner von ihnen ist in seiner Heimat gestorben oder beerdigt.

Das Mariinsky, das Bolshoi und das New York City Ballet sind heute so ziemlich die letzten noch übrig gebliebenen Kompanien mit einem eigenen Nationalstil: Sie gründen auf der Kunst von Ausländern. Das Traditionsrepertoire des Königlich Dänischen ...

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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 110
von Angela Reinhardt

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