Zwei Entschleuniger
Der Begriff Entschleunigung, der schon abgedroschen war, bevor er in Mode kam, trifft es nur oberflächlich, was Rosemary Butcher macht. Sie zelebriert Kargheit und Repetition als Alternative zu Redundanz und Beschleunigung. Sie arbeitet dabei mit zwei Elementen, die unserer Zeit widersprechen: der Verlangsamung und der Verdichtung. Weil sie beim strukturellen Denken nach innen lauscht, könnte man sagen – typisch weiblich. Vielleicht nennt sie deshalb ihr jüngstes vierteiliges Stück «Woman And Memory».
Rosemary Butcher setzt strenge formale Kriterien.
Die Form ist die Abstraktion ihres Denkens und Fühlens. Dafür benutzt sie die gute alte Metapher des Reisens. Sie meint das Leben und lässt es tanzen. Elena Giannotti tritt auf der Stelle. Sie tut es im ersten und letzten von vier Teilen, live im Münchner i-camp und im Film. In ihrem ersten Solo «Images Every Three Seconds» hat ihr Charles Balfour ein Lichtviereck auf den Boden projiziert, das ihren Bewegungsspielraum auf vielleicht einen Quadratmeter beschränkt. Sie nutzt nur den Rand. Anders als man es sonst gewohnt ist, geht sie nicht in den Raum. Im Film «Vanishing Point» von Martin Otter ist die Tänzerin ein mühsam wahrnehmbarer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sollten manche Kollegen Paul Lightfoot/Sol León im Jahrbuch als Hoffnungsträger führen, so wären sie nicht zu widerlegen. Das Nederlands Dans Theater I schenkte Montpellier Danse zwei Premieren. Eine, «Silent Screen», ist das Werk der aktuellen künstlerischen Leiter der Vorzeigekompanie aus Den Haag. Die andere, «Anomaly One», ist ein Sturm im Wasserglas von...
Pasolini nennt ihn einfach einen «Besucher». Bei Silvana Schröder steht «der Fremde» zugleich auch für «das Fremde»: ein Engel, den möglicherweise der Himmel schickt, ein Katalysator vielleicht wie einst bei Cranko, der durch seine Existenz alles verändert, erklärtermaßen aber das Fremde, durch das sich das Stück fokussiert. Irgendwann erscheint Mario Perricone,...
Aaron Watkin, ein weiter Weg. Sie stammen aus Vancouver, tanzten in Frankfurt und übernehmen 2006 als Nachfolger von Vladimir Derevianko die Ballettdirektion der Dresdner Semperoper. Warum Deutschland und nicht Kanada? Europa ist vergleichsweise klein, ohne Schwierigkeiten überwindet man die Grenzen, kann die verschiedensten Kompanien sehen,...
