Zürcher Neuheiten
Längst hat sich der Sommer verabschiedet. Wie in Eiseskälte erstarrt, verharren die Tänzer auf der Bühne des Zürcher Opernhauses, als ob sie eines Toten gedächten. Nur Neonlicht. Nackte Betonwände ringsum. Nichts Wärmendes, nirgends. Selbst die Musik scheint zu frösteln. Die Klänge klirren, als Mauro Peter hinabsteigt in den nicht gar so tiefen Orchestergraben, um von dort aus eine «Gute Nacht» zu besingen, die dem Wanderer so gar nichts Gutes verheißt: «Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh’ ich wieder aus.
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Spuck: abgründig
Schuberts «Winterreise» wird vorgestellt in der «komponierten Interpretation» von Hans Zender, die schon John Neumeier und Tim Plegge als Ausgangspunkt diente. Christian Spuck eröffnet sie alle Möglichkeiten, das Abgründige aufzuzeigen, das man in den Liedern allzu gern überhört. Und das ist durchaus konkret zu verstehen. Immer wieder öffnet sich der Boden, als gäbe es dort eine Grabesgrube. Mal stehen die Menschen darin, dicht gedrängt, den Rücken zum Publikum gekehrt, so wie man das aus Gemälden von René Magritte kennt. Mal taucht daraus ein Lied lang eine der Krähen auf, die erst zum Schluss, wenn vom «Leiermann» die Rede ist, symbolkräftig, das heißt in ...
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Tanz Dezember 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Hartmut Regitz
Es gibt ein Thema, bei dem Yuri Fateev sofort der Hut hochgeht. Der Chef des Petersburger Mariinsky-Ballett würde am liebsten eine Trademark «Marius Petipa» installieren, findet er doch den Umgang mit dem wegweisenden Œuvre des Franzosen katastrophal: «Die Klassiker werden ruiniert, weil Leute wie Nurejew sie in den Westen exportiert und dann ihr eigenes Ding...
Im Varieté turnen Akrobaten von Nummer zu Nummer. Nach jeder folgt der Applaus wie das Amen. Auch das Chamäleon in den Berliner Hackeschen Höfen hält sich seit 14 Jahren an diese Regel. Der Unterschied: Es lädt Yaron Lifschitz ein. Der Australier und seine Kompanie Circa legten hier schon 2011 mit «Wunderkammer» eine Sensation hin. Das Choreografische, der Tanz...
Die Tanzschüler der Pariser Oper, fünf Jahre später
Für ein Tänzerleben sind fünf Jahre eine halbe Ewigkeit. Genau so lange ist es her, dass die Dokumentarfilmerin Françoise Marie «Die Tanzschüler der Pariser Oper» über ein Schuljahr hinweg begleitete. Jetzt hat sie die Kinder und Jugendlichen von damals noch einmal besucht und neuerlich eine fünfteilige Miniserie...
