Yuki Mori «Les enfants terribles» in Regensburg
Es schneit große Flocken. Die Tänzer bilden zwei Gruppen, jeweils in Pyramidenformation. Beginnen eine wilde Schneeballschlacht. Ein impressionistisch flirrendes Bild, dazwischen Videoprojektionen der Geschwister Paul und Elisabeth. Der Regisseur und Choreograf Yuki Mori hat für Philip Glass’ Tanzoper «Les Enfants terribles» nach dem Roman von Jean Cocteau ein durchaus stimmiges Konzept gefunden: Tänzer als Alter Ego der Sänger.
Alle gemeinsam erzählen die Geschichte von Elisabeth und Paul, der durch einen Schneeball verletzt wird und sich mit der Schwester in eine Parallelwelt zurückzieht. Bis das surreale Arrangement zerbricht.
Dorit Lievenbrücks Bühnenbild akzentuiert das Schattenreich der Geschwister. Das Krankenzimmer fährt aus der Tiefe hoch, gerät in psychotisches Rotieren. Ein Sockel hoch über der Bühne deutet auf Selbstmord als heroische Befreiungstat. Doch der Funke springt nicht über. Zu brav, zu illustrierend ist das Ganze aufgezogen, die Videoporträts von Paul und Elisabeth künden weder von Leidenschaft noch Rebellion. Der weich modulierte Erzähltext entführt in den Roman wie in ein Märchen, weit weg von Cocteaus Welt aus Opium, Inzest, Homosexualität. Vieles ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2017
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Michaela Schabel
Seit 2013 unterhält Het Nationale Ballet in Amsterdam eine Junior Company: Zwei Jahre lang können Nachwuchstänzer hier erste Bühnenerfahrung sammeln. Ein Erfolgsmodell, stammt doch bereits ein Viertel der Het Nationale-Belegschaft aus diesem Beiboot. Das bekannteste Gesicht ist sicher Michaela DePrince. Die dunkelhäutige Tänzerin hat blitzschnell Solisten-Status...
Petr Pestovs Ballettklassen für männliche Tänzer an der Staatlichen Akademie für Choreografie in Moskau erfreuten sich großer Beliebtheit. Generationen von Startänzern hat der berühmte Lehrer dort ausgebildet, dabei jede Tänzerpersönlichkeit individuell gefördert und unterschiedliche Stile vermittelt. Alexander Bogatyrev und Valery Anisimov lernten bei ihm,...
Ein Mann nimmt Abschied von seiner Frau, und das mit einem «Kuss», der an eines der berühmtesten Gemälde Gustav Klimts erinnert. Er könnte ewig dauern, gäbe es anno 1462 nicht einen Krieg, aus dem am Ende zwar Dracula siegreich hervorgeht, doch seine Geliebte kostet er das Leben. Und so wird der Mythos einer ganz spezifischen Unsterblichkeit begründet, dem schon...
