Yuki Mori «Les enfants terribles» in Regensburg
Es schneit große Flocken. Die Tänzer bilden zwei Gruppen, jeweils in Pyramidenformation. Beginnen eine wilde Schneeballschlacht. Ein impressionistisch flirrendes Bild, dazwischen Videoprojektionen der Geschwister Paul und Elisabeth. Der Regisseur und Choreograf Yuki Mori hat für Philip Glass’ Tanzoper «Les Enfants terribles» nach dem Roman von Jean Cocteau ein durchaus stimmiges Konzept gefunden: Tänzer als Alter Ego der Sänger.
Alle gemeinsam erzählen die Geschichte von Elisabeth und Paul, der durch einen Schneeball verletzt wird und sich mit der Schwester in eine Parallelwelt zurückzieht. Bis das surreale Arrangement zerbricht.
Dorit Lievenbrücks Bühnenbild akzentuiert das Schattenreich der Geschwister. Das Krankenzimmer fährt aus der Tiefe hoch, gerät in psychotisches Rotieren. Ein Sockel hoch über der Bühne deutet auf Selbstmord als heroische Befreiungstat. Doch der Funke springt nicht über. Zu brav, zu illustrierend ist das Ganze aufgezogen, die Videoporträts von Paul und Elisabeth künden weder von Leidenschaft noch Rebellion. Der weich modulierte Erzähltext entführt in den Roman wie in ein Märchen, weit weg von Cocteaus Welt aus Opium, Inzest, Homosexualität. Vieles ist ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Michaela Schabel
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