Youri Vàmos: "Giselle"
Youri Vàmos hatte schon als junger Choreograf eine szenische Idee zu Adolphe Adams "Giselle". Dann aber, bekennt der Ballettchef der Rheinoper Düsseldorf-Duisburg, habe Mats Eks Version ihn so überzeugt, dass er das Vorhaben fallen ließ. Bis heute. Und: gut so. Die Story endet bei ihm nicht in der Irrenanstalt, sondern in einem provisorischen Lazarett. Nicht das unglückliche Mädchen liegt hier, sondern Oberleutnant Albrecht und sein Rivale Hilarion. Die Rolle Albrechts wird aufgewertet, was mit einem so kraftvollen Tänzer wie Valerio Mangianti auch überzeugt.
Schauplatz ist das Frankreich des Ersten Weltkriegs. Vàmos will sich weniger für das Thema Mesalliance interessieren als für den zeitlosen Aspekt der gebrochenen Liebesschwüre und lässt eine Offiziersgesellschaft samt Bathilde stolz an der Wirtstocher Giselle (Kaori Morito) vorbeischreiten. Auch choreografisch inkonsequent, misslingt ihm diese Mixtur aus Vàmos und Coralli/Perrot im ersten Akt ganz gründlich. Umso eindrucksvoller der zweite Akt. Im Saal einer als Lazarett genutzten Villa (ausgestattet von Michael Scott), begegnen sich, welch Zufall, die verletzten männlichen Seelen wieder. Albrecht und Hilarion umkreisen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Wir waren schon mal weiter. Der Körper wird problematischer. Viele junge Frauen sind wieder verschleiert», sagt Anita Mathieu im Interview ab Seite 20. In der Pariser Banlieue betreibt sie seit acht Jahren ein Tanzfestival, vor anderthalb Jahren waren hier Ausschreitungen – brennende Autos und eingekesselte Polizisten. Nach den Unruhen in den Banlieues hieß es:...
Are my eyes open or closed? For a moment I forget my rôle as a dance critic and swim freely in the waters of reverie, my mind set adrift by beauty, entranced by a play of light. Before me an ensemble of what seem to be fireflies are engaged in a delicate choreography, extinguishing and igniting their luminescence to expose fragments of their bodies in delicate...
Das hätte man von Alain Platel nicht erwartet: eine Geschichte von A bis Z, und nichts bleibt unausgesprochen. Vielleicht, weil das Thema so prekär ist: Der Ich-Erzähler des Romanerstlings «Beasts of No Nation» ist ein afrikanischer Kindersoldat. Der ihn sprechen lässt, ist ein Afroamerikaner mit nigerianischen Vorfahren namens Uzodinma Iweala. Er erzählt, was über...
