Mehr Luft
«Wir waren schon mal weiter. Der Körper wird problematischer. Viele junge Frauen sind wieder verschleiert», sagt Anita Mathieu im Interview ab Seite 20. In der Pariser Banlieue betreibt sie seit acht Jahren ein Tanzfestival, vor anderthalb Jahren waren hier Ausschreitungen – brennende Autos und eingekesselte Polizisten. Nach den Unruhen in den Banlieues hieß es: Große Bevölkerungsteile werden von der Gesellschaft ausgeschlossen.
Wer erinnert sich ans sizilianische Catania vor einem Monat? In Süditalien sind es Ultrarechte, die sich das Recht auf Gewalt nehmen, schreibt von dort unsere Korrespondentin Elisa Guzzo Vaccarino. Warum sind die einen gewaltig ultrakonservativ? Die anderen gewaltig ultraislamistisch?
Ist es die EU-ferne Sehnsucht nach einer «eigenen» Kultur? Fehlt ihnen das Recht auf Egalité? Und damit das Recht auf Liberté? Bleibt ihnen also nur die Fraternité untereinander. Und die braucht gemeinsame Zeichen – einen eigenen Tanz- und Lebensstil, zum Beispiel den «Couper Decaler» (S. 18). Wo Europa die «Neue Mitte» sucht, sollen Künstler in jene Randkulturen gehen und «Schlimmeres» mit «kreativem Tanz» vermeiden helfen. Aber leben Millionen Mitbürger wirklich am Rand? ...
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Bagnolet liegt am östlichen Rand von Paris. Vom Büro der Rencontres Chorégraphiques Internationales de Seine-Saint-Denis zur Place de la République sind es Luftlinie fünf Kilometer. Mit dem Fernrohr müsste man ihn vom Hochhausdach sehen können, ein paar Zentimeter südlich davon die Bastille und die Place de la Nation. So nah ist der Rand an Frankreichs Zentrum. Von...
Shoko Nakamura hat einen neuen Begleiter rund um die Uhr. «Nur beim Baden oder Duschen müssen Sie ihn ablegen, er darf nicht nass werden», erklärte Ingo Fietze der jungen japanischen Ballerina das Ding an ihrer Hand. Genau gesagt an der nicht-dominanten Hand – bei Shoko Nakamura der linken. Denn die ist es, die den Wissenschaftlern die exakten Daten über den...
Das hätte man von Alain Platel nicht erwartet: eine Geschichte von A bis Z, und nichts bleibt unausgesprochen. Vielleicht, weil das Thema so prekär ist: Der Ich-Erzähler des Romanerstlings «Beasts of No Nation» ist ein afrikanischer Kindersoldat. Der ihn sprechen lässt, ist ein Afroamerikaner mit nigerianischen Vorfahren namens Uzodinma Iweala. Er erzählt, was über...
