Künftige Körper
Der Körper scheint als Medium zunächst ganz ungeeignet für Utopien. Während die Literatur eine utopische Zukunft projizieren kann, fehlt dem Körper ein solcher Zukunfts-Modus. Auch ist die im Utopiebegriff implizite Unmöglichkeit zumindest mit einem lebendigen Körper nur schwer vereinbar. Wir können Utopien in Geschichten und Traktaten erdenken. Wenn sie den Körper betreffen, können wir sie erzählt oder gezeichnet zu Papier bringen, oder – dank Spezialeffekten – auf die Leinwand.
Der lebendige Körper allerdings, zum Beispiel auf einer Tanzbühne, ist zu sehr in der Gegenwart verhaftet, um als Medium für Utopien wirklich zu taugen. Im Radiovortrag «Der utopische Körper» des Strukturalismus-Vordenkers Michel Foucault heißt es eingangs: «Mein Körper ist das genaue Gegenteil einer Utopie, er ist niemals unter einem anderen Himmel, er ist der absolute Ort, das kleine Stück Raum, mit dem ich buchstäblich eins bin.» Und doch scheinen Körpertechniken wie Doping, aber auch kosmetische Chirurgie oder Bodybuilding auf einen anderen, «besseren» Körper abzuheben, während sie gleichzeitig mit dem Unmöglichen kokettieren.
Körper und Gewalt
Über solche vermeintlichen Verbesserungen des Körpers ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 52
von Franziska Bork-Petersen
Du betrittst den großen Ausstellungsraum. Blau-rotes Licht leuchtet auf Stoffe, die Lautsprecher verkleiden. Auf einer Seite steht ein skelettartiges Kugelobjekt mit dünnen blauen Elektrolumineszenz-Fasern, die wie Dendriten leuchten.
Du bewegst dich zwischen den Lautsprechern hindurch, die in dem Stoffwald verteilt sind, und bemerkst die subtil wechselnden Klänge,...
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle...
Der junge Bailaor aus der Hafenstadt Cádiz straft alle jene Flamenco-Legenden Lügen, die besagen, dass man den Flamenco im Blut haben muss, oder noch besser in den Genen. In seiner Familie gibt es weit und breit kein einschlägiges Erbe. In seiner Familie interessiert man sich für Sport. Sein Bruder spielt in einem bekannten Fußballclub, und er selbst kam nur durch...
