Künftige Körper
Der Körper scheint als Medium zunächst ganz ungeeignet für Utopien. Während die Literatur eine utopische Zukunft projizieren kann, fehlt dem Körper ein solcher Zukunfts-Modus. Auch ist die im Utopiebegriff implizite Unmöglichkeit zumindest mit einem lebendigen Körper nur schwer vereinbar. Wir können Utopien in Geschichten und Traktaten erdenken. Wenn sie den Körper betreffen, können wir sie erzählt oder gezeichnet zu Papier bringen, oder – dank Spezialeffekten – auf die Leinwand.
Der lebendige Körper allerdings, zum Beispiel auf einer Tanzbühne, ist zu sehr in der Gegenwart verhaftet, um als Medium für Utopien wirklich zu taugen. Im Radiovortrag «Der utopische Körper» des Strukturalismus-Vordenkers Michel Foucault heißt es eingangs: «Mein Körper ist das genaue Gegenteil einer Utopie, er ist niemals unter einem anderen Himmel, er ist der absolute Ort, das kleine Stück Raum, mit dem ich buchstäblich eins bin.» Und doch scheinen Körpertechniken wie Doping, aber auch kosmetische Chirurgie oder Bodybuilding auf einen anderen, «besseren» Körper abzuheben, während sie gleichzeitig mit dem Unmöglichen kokettieren.
Körper und Gewalt
Über solche vermeintlichen Verbesserungen des Körpers ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Labore der Zukunft, Seite 52
von Franziska Bork-Petersen
Warum gehören Cecilia Bengolea und François Chaignaud hierher, die doch frech alles an Tanzstilen zusammenrühren, was auf Straßen und in Clubs nicht bei drei in der Versenkung verschwunden ist? Genau deshalb, weil das im französischen Lyon beheimatete Choreografenduo einfallsreich durcheinander mixt, was scheinbar gar nicht zusammengehören kann – und weil die...
Wir kennen die 67er-, 68er-Bewegung, wir kennen die Entwicklung zur RAF. Ich war sozialistisch-kommunistisch in Österreich erzogen worden, war in Köln in der marxistischen Bewegung, habe Ernst Bloch kennengelernt. Und ich habe, als Tänzer, mit George Balanchine, mit John Cranko, mit Maurice Béjart, mit Agnes de Mille, diesen großen Choreografen gearbeitet. Ich...
Glück, Zufall oder endlich die richtige Erkenntnis: Seit Ballettdirektor Manuel Legris Rebecca Horner nach ihrer fulminanten Interpretation von Potiphars Weib in «Josephs Legende» und «Le Sacre», beide von John Neumeier, am Wiener Staatsballett 2017 zur Solotänzerin ernannte, scheint der Weg geebnet für eine außergewöhnliche Karriere. Denn Rebecca Horner ist auf...
