Woran erkennt man einen rumänischen Verkehrspolizisten?
An der verdrießlichen Miene und der schlaffen Haltung. So kann das nicht weitergehen, haben sich die Behörden von Temeschwar gedacht. Und entschlossen gehandelt. Verkehrspolizisten stehen schließlich vor Publikum, gewissermaßen auf der Bühne. Und je länger – sprich: im Stau – desto schlimmer. Es sei denn, sie bekommen zu ihren, nun ja, nicht eben vorteilhaften Uniformen und ihrer hochqualifizierten Ausbildung in Vorfahrtsregeln ... Ballettunterricht.
Wie bitte? Genau: Pirouetten auf der Kreuzung, Pliés und Arabesquen zwischen Autoschlangen, elegant geführte Port de bras, statt müdem Winken an der defekten Ampel.
Einen Monat lang sponsert die Polizei zwanzig männlichen Beamten, die besonders des Glanzes bedürfen, die Nachhilfe; der Unterricht bei zwei ehemaligen Tänzern des lokalen Opernballetts findet zunächst zweimal die Woche statt. Geeignetes Straßen-Material liefere, so die Tutoren, «Schwanensee». Neben den offensichtlichen Auswirkungen auf Haltung und Ausstrahlung erhofft sich Polizeichef Dorel Cojan einen zusätzlichen Effekt: «Vielleicht hilft es auch den traurigen oder gestressten Autofahrern, wenn sie an der Ampel stehen.» Und plötzlich ein Verkehrspolizist im Grand jeté ...
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«Schwanensee» mit glatzköpfigen Typen in Tutus. Kräftige Häkelhakenbeinchen, in die Luft gestreckt. Ballett, das in Alltagsbewegungen seine Grazie ebenso findet wie im Spagat. Auf der Bühne: Lampen, Tische, Äpfel. Tellerstapel fliegen zu Boden, Tänzer fliegen durch den Raum. Wirbeln über Böden mit schwarzem Kunstschnee, stoßen an Wände, leere Räume. Üben barfuß...
Josef Nadj, der Künstler als junger Mann. Es ist eine Weile her, dass er so ausgesehen hat. Inzwischen lohnt es sich, dem «bildermächtigen» Choreografen mit Hang zum Surrealen eine Retrospektive zu widmen. Das Leipziger Festival euroscene tut das vom 4. bis zum 9. November. Neben drei Stücken aus verschiedenen Schaffensperioden, «Woyzeck» (1994/96), das von ihm...
Sie sind vierzig Jahre im japanischen Kulturbusiness. Sie haben von Ihrer Arbeit immer als einem Kampf für und um die Kultur gesprochen. Hat sich der Kampf gelohnt? Vielleicht habe ich doch aufs falsche Pferd gesetzt. Ballett kommt aus Europa, aus dem Westen. So sehr Fußball, Basketball oder Volleyball den Menschen im Westen im Blut stecken, so wenig ist uns...
