Wo Bestatter ihre Toten umsorgten
Wo Bestatter ihre Toten umsorgten und vor mehr als zehn Jahren hier die letzten Särge zimmerten, die letzten Leichen schön machten und deren Grabsteine meißelten, ist nun auf den 39.000 Quadratmetern des ehemaligen städtischen Bestattungsinstituts, das sich im Pariser Nordosten versteckt, eine Künstlerstadt entstanden. 104.fr heißt sie, mit Ateliers für bis zu zweihundert Kreative. So wie früher die verschiedenen Berufe des Bestattungswesens unter diesem Dach zusammenarbeiteten, tauschen sich nun die Künstler verschiedener Sparten aus.
Die Ateliers sind modulartig gebaut und passen sich individuellen Raumbedürfnissen an. Auch die Bevölkerung darf jederzeit hereinschauen, nicht nur zu regelmäßigen Festivals, auf denen die residierenden Künstler Einblicke in ihre Arbeit gewähren. Die beiden Erfinder des gläsernen Künstlers, Frédéric Fisbach (2007 artiste associé des Festival d’Avignon) und Robert Cantarella, kommen vom Sprechtheater. So wird es der Tanz nicht ganz leicht haben, sich einen Platz zu erobern. Bildende Kunst, Videokunst, neue Medien und Technologien kommen besser aus den Startlöchern. Es ist nun an den Choreografen, sich massiv zu bewerben. Das 104 baut ein europäisches ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein bisschen Biografie ... Tanzstudium an der New York University. Danach hat mich Merce Cunningham am meisten inspiriert. Für ihn habe ich seit 1981 getanzt. Eine überlebensgroße Erfahrung: Man lernte unglaublich viel über Choreografie, Philosophie, Musik, einfach durch die Arbeit...
Josef Nadj, der Künstler als junger Mann. Es ist eine Weile her, dass er so ausgesehen hat. Inzwischen lohnt es sich, dem «bildermächtigen» Choreografen mit Hang zum Surrealen eine Retrospektive zu widmen. Das Leipziger Festival euroscene tut das vom 4. bis zum 9. November. Neben drei Stücken aus verschiedenen Schaffensperioden, «Woyzeck» (1994/96), das von ihm...
«Schwanensee» mit glatzköpfigen Typen in Tutus. Kräftige Häkelhakenbeinchen, in die Luft gestreckt. Ballett, das in Alltagsbewegungen seine Grazie ebenso findet wie im Spagat. Auf der Bühne: Lampen, Tische, Äpfel. Tellerstapel fliegen zu Boden, Tänzer fliegen durch den Raum. Wirbeln über Böden mit schwarzem Kunstschnee, stoßen an Wände, leere Räume. Üben barfuß...
