Winfried Schneider
Winfried Schneider hat den Tango nicht neu erfunden. Aber der Ballettdirektor und Regisseur der Staatsoperette Dresden weiß damit Effekt zu machen. «Romance de barrio» nennt er am Staatstheater Cottbus sein zweiteiliges Ballett nach einem Titel von Aníbal Troilo, den das Instrumentalsextett um den Berliner Bandeonisten Peter Reil ebenso live wie leidenschaftlich interpretiert: der Todestanz eines gealterten Tango-Tänzers, der sich wie in «Le Bal» in den letzten Stunden seines Lebens einstiger Gefühle und Gedanken erinnert.
All das hört sich gut an, und zu sehen gibt’s den Abend über genug: Denn Schneider schert sich nicht um irgendwelche Stilfragen, sondern kombiniert so geschickt klassisches Ballett, Jazz und Revue, dass der choreografierte Tango chamäleongleich ständig seine «Farbe» wechselt. Mal anlehnungsbedürftig, mal emotionsgeladen begegnen sich die acht Tänzer in immer wieder neu konzipierten Episoden – und während sich ein Tango an den andern reiht, zeigen sie sich von unterschiedlichen, durchweg erfreulichen Seiten. So die bildschöne Weinina Weilijiang, die es aus unerfindlichen Gründen von China nach Cottbus verschlagen hat, oder Jens Nater, der wie der «Tod» Radek ...
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