Wiener Blut

Martin Schläpfer über die Sträuße seines Lebens

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Für mich als junger Mensch war Musik etwas Übergroßes, nicht Fassbares – etwas, das mich in andere Sphären hob, an einen höheren Ort, einen, an dem ich mich frei fühlte, ganz anders zumindest als im Leben unten. In meiner Mini-Musik-Sammlung gab es Beethovens Violinkonzert, Chopins Klavierkonzerte gespielt von Vladimir Ashkenazy, der für mich schon allein vom Cover her ein halber Gott sein musste, dann «Mahalia Jackson´s Greatest Hits» und die «Vier letzten Lieder» von Richard Strauss – gesungen von Elisabeth Schwarzkopf.

Ihr Bild auf der Plattenvorderseite wirkte entrückt kühl, eher glänzend als leuchtend – folkloristisch drapierten sich rote Blümchen auf ihrem dunklen Kleid. Ganz anders das warmtonige freundliche Bild von Ashkenazy im roten Pullover. Bilder und Inszeniertes. Soll jemand sagen, sie täten nichts mit jungen Menschen. Meine Sammlung wuchs kaum. Höchstens um eine Platte jedes Weihnachten. Ich war zufrieden mit dem endlosen Wiederholen des immer Gleichen. Eine erste, unbewusste Erfahrung, dass dem Großen Wiederholungen nichts antun, ihm sogar guttun, damit man irgendwann vielleicht näher an sein-Mysterium zu gelangen vermag. Andererseits zeichnete sich hier ein erster ...

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Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Flow, Seite 10
von Martin Schläpfer

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