wien: preethi athreya «across, not over»
Ein Solotänzer kehrt dem Publikum den nackten Rücken zu, steht zunächst reglos da, lässt dann langsam die Schultern kreisen, hebt schließlich eine Hand und dreht den Kopf herum. Seine Wirbelsäule biegt sich seitwärts, rückwärts, beginnt zu erzählen. Und so ein Rücken kennt viele Geschichten. Das zumindest behauptet die Choreografin Preethi Athreya mit «Across, Not Over», ihrem Solo für den Performer Vikram Iyengar.
Der ist in der Bewegungssprache des Kathak beheimatet, eines an den Königshöfen Nordindiens entwickelten Tanzstils, dessen Konventionen es eigentlich nicht zulassen, dass ein Tänzer den Zuschauern über einen längeren Zeitraum den Rücken zuwendet. Im Gegenteil: Kathak pflegt mit seinem Schwerpunkt auf expressiver Mimik eindeutig die frontale Perspektive.
Auch die Kathak-typische Fußarbeit erfährt in «Across, Not Over» eine überraschende Modifizierung: Kniend führt Iyengar die konzisen Rhythmen aus, indem er mit den Händen in ein Paar Schuhe fährt und mit diesen auf den Untergrund trommelt. Kathak gilt gemeinhin als explosiv-extravaganter Stil mit reichlich Interaktion zwischen Performer und Publikum.
Die Choreografin bricht bewusst mit dieser Erwartung und lässt die ...
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Tanz Februar 2016
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Ranjana Dave
Nicht zum ersten Mal erzählt Richard Wherlock von der untergegangenen Welt des jüdischen Schtetl. Bereits mit «Transit Dances» und «Stetl» choreografierte er Aufbruch und Unterwegssein zu Klezmermusik. Die folkloristisch gefärbten Schrittfolgen gerieten schon damals rasant, doch im Ballett «Tewje», am Theater Basel uraufgeführt, steckt mehr Herzblut.
Wie Scholem...
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