wien: preethi athreya «across, not over»
Ein Solotänzer kehrt dem Publikum den nackten Rücken zu, steht zunächst reglos da, lässt dann langsam die Schultern kreisen, hebt schließlich eine Hand und dreht den Kopf herum. Seine Wirbelsäule biegt sich seitwärts, rückwärts, beginnt zu erzählen. Und so ein Rücken kennt viele Geschichten. Das zumindest behauptet die Choreografin Preethi Athreya mit «Across, Not Over», ihrem Solo für den Performer Vikram Iyengar.
Der ist in der Bewegungssprache des Kathak beheimatet, eines an den Königshöfen Nordindiens entwickelten Tanzstils, dessen Konventionen es eigentlich nicht zulassen, dass ein Tänzer den Zuschauern über einen längeren Zeitraum den Rücken zuwendet. Im Gegenteil: Kathak pflegt mit seinem Schwerpunkt auf expressiver Mimik eindeutig die frontale Perspektive.
Auch die Kathak-typische Fußarbeit erfährt in «Across, Not Over» eine überraschende Modifizierung: Kniend führt Iyengar die konzisen Rhythmen aus, indem er mit den Händen in ein Paar Schuhe fährt und mit diesen auf den Untergrund trommelt. Kathak gilt gemeinhin als explosiv-extravaganter Stil mit reichlich Interaktion zwischen Performer und Publikum.
Die Choreografin bricht bewusst mit dieser Erwartung und lässt die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2016
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Ranjana Dave
«Die Energie von unten nehmen – rein in den Boden und wieder hoch. ... Wir gehen über Wasser, aber wir tauchen nicht wirklich unter.» Es sei wie bei den Delfinen, erklärt Oliver Matz: «Wie die übers Wasser schießen – das ist dieselbe Energie.» Der Leiter der Tanz Akademie Zürich (TaZ) trainiert mit seinen Jungs Sprünge. Wieder und wieder steht er auf, stellt sich...
Die tunesische Autorin, Schauspielerin und Choreografin Raja Ben Ammar begann Anfang 2001 ein Projekt mit arbeitslosen Jugendlichen aus den Dörfern in der Nähe von Karthago. Sie rückte das Problem ihrer gesellschaftlichen Wertlosigkeit ins Zentrum. Es ging nicht um Technik oder Dramaturgie. «Die Jugendlichen und jungen Leute besaßen keine Aufgabe in der...
Als Anfang der 1940er-Jahre in den Hexenküchen der Clubs zwischen Minton’s Playhouse und 52nd Street in New York der Bebop aufkochte, erschien er wie aus dem Nichts, dieser Syd O´Noo. Ein Magier des Tap Dance, wie es keinen Zweiten gab. Ein Stepp-Schamane, Ehrfurcht gebietend und hypnotisch. Geheimnisvoll, egomanisch, drogenabhängig – zur Legende prädestiniert....
