Pilates, Nussknacker, Hellerau

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joseph pilates

Für einen Gesundheitsapostel lebt er keineswegs passend. Joseph Pilates trinkt. Er raucht. Schlimmer noch: Wenn ihm mal eine griffige Klientin unter die Finger kommt, kann er sich selbst im hohen Alter nicht beherrschen. Den eigenen Leib heiligend, kennt sein missionarischer Eifer manchmal kein Halten mehr. Abstinenz ist seine Sache nicht.

Fasziniert von einem Turner, der Bier braute, von einem Boxer, der den Beckenboden trainierte, und einem Schulschwänzer, der Schiller und Schopenhauer zitierte, beginnt Eva Rincke eigenen Worten zufolge zu recherchieren und deckt bei ihren Nachforschungen nicht nur weitere Widersprüche auf, sondern spürt eine Menge Material auf, das am Ende das Phänomen Pilates ungleich plastischer erscheinen lässt als in jeder anderen Biografie. Auf rund 300 Seiten blättert die Stuttgarter Historikerin ein Schicksal auf, das sich eigentlich erst nach Pilates’ Tod 1967 wirklich erfüllt. Sie beschreibt die ärmlichen Verhältnisse, denen der 1883 in Mönchengladbach Geborene entstammt, beschreibt seine Zeit in England als ganz und gar nicht «feindlicher Ausländer», die er im Internierungslager auf der Isle of Man erlebt. Überaus anschaulich aber ...

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Tanz Februar 2016
Rubrik: Medien, Seite 62
von

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