Weltverloren

Christian Spuck choreografiert Madrigale von «Monteverdi» für sein Ballett Zürich: zarte Melancholie mit Neigung zum Overload.

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Er wollte das nicht. Aber jetzt ist die Frau tot, gestorben durch seine Hand. Es ist die alte Geschichte: eine Tragödie, wie wir sie mehrmals pro Woche im Fernsehen sehen können. Und leider allzu oft auch in Gerichtssälen hören. Die Geschichte von Tancredi und Clorinda ist im Vergleich noch tragischer: Claudio Monteverdis (1567 – 1643) dramatisches Madrigal «Il combattimento di Tancredi e Clorinda», das auf wenigen Strophen aus dem Kreuzfahrerepos «Das befreite Jerusalem» von Torquato Tasso beruht, ist ein Ritterkampf zweier Liebender.

In ihrer Rüstung vermögen der christliche Kreuzritter Tancredi und seine Geliebte, die Sarazenin Clorinda, einander nicht zu erkennen und liefern sich einen erbitterten Kampf auf Leben und Tod. Er sticht zu – und erkennt sie erst, als sie, sterbend, um die Taufe bittet.

Nur etwas über zwanzig Minuten dauert die kurze Oper, die eigentlich gar keine Oper ist, da die Geschichte berichtet wird durch den Erzähler Testo, während die beiden Hauptfiguren nur wenige Zeilen singen. Doch erzählt wird so mitreißend, so expressiv, dass das Publikum bei der Uraufführung des Werks im venezianischen Karneval 1624 zu Tränen gerührt gewesen sein soll. Die Handlung ...

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Tanz Februar 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Lilo Weber

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