On Tour
Was für ein Kontrast! Achtzehn Monate lang gab es trotz aller Bemühungen selten andere Themen als Lockdown, Hygienebeschränkungen und Vorstellungsabsagen. Während Hunderttausende noch immer im Homeoffice arbeiten, ist das tanzmainz-Ensemble Ende September 2021 plötzlich als Gast des Bolschoi-Theaters in Moskau. Hier beginnt unsere sechswöchige Tour, hauptsächlich zu europäischen Destinationen, mit Sharon Eyals «Soul Chain». Siebzehn Vorstellungen in sieben Städten, 25 Kolleg*innen mit 14 verschiedenen Pässen on the road.
Die kompakte Tour ist ein bunter Mix aus bereits lang bestehenden Anfragen, coronabedingten Verschiebungen und ganz neuen Einladungen – dazu zählt etwa Moskau. Sehr zu unserem Vorteil reisen wir mit leichtem Gepäck, außer Kostümen und Make-up haben wir nur uns dabei. Das erspart Transportkosten und auch potenzielle Zollärgernisse, etwa mit Bühnenbildern.
Die Visabeschaffung für Russland war extrem zeitaufwendig und nervenaufreibend, quasi bis zum letzten Augenblick wurde um Einreisegenehmigungen gerungen, während parallel schon PCR-Tests liefen.
In Moskau angekommen, erwartet uns eine exzellente Organisation. Auf Schritt und Tritt begleiten uns zwei Fernsehteams. ...
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Tanz Februar 2022
Rubrik: Praxis, Seite 52
von Hannah Meyer-Scharenberg und Honne Dohrmann
Das Eisfeld Larsen C in der Antarktis geriet weltweit in die Schlagzeilen, als sich dort 2017 ein gigantischer Eisberg abspaltete. Das spektakuläre, lautstarke «Kalben» ließ vergessen, dass Schelfeis in der Regel aus scheinbar unbewohnten und unbewegten Landschaften besteht. Der Titel des neuesten Stücks von Christos Papadopoulos ist dieser weißen Wüste entlehnt...
WALK!
In Pandemiezeiten ist das eigentlich unspektakuläre Gehen mit Bedeutung aufgeladen – sei es, dass die einzig mögliche soziale Aktion während des Lockdowns ein gemeinsamer Gang durch den Park ist, sei es, dass Querdenker, Reichsbürger und Rechtsextreme Demonstrationen als kollektive «Spaziergänge» verniedlichen. Künstlerische Würdigungen bekommt das schnöde...
Würde Goyo Monteros jüngster zweiteiliger Ballettabend im künftigen, heftig umstrittenen Provisorium für Oper und Ballett gegeben (S. 38), käme das einer humanistischen Überschreibung gleich. Bereits der Titel «Narrenschiff» konterkariert den blutigen Ernst in Stein gehauener Gigantomanie, wie sie sich im sogenannten «Kolosseum» – der nie fertig gebauten...
