Weltflucht ins Ironische Idyll
Eigentlich ist Arvo Pärt was für die «Spirituellen». Er suche nach «dem Einen», hat der Mystiker unter den Komponisten erklärt, und er wollte das Paradox: Mit Musik Stille schaffen. In seiner Komposition «Tabula rasa» hat er das Klangmaterial auf ein Minimum reduziert, die Klänge suchen das Nichts, bloße Leere. Typisch Pärt. Und auf der Bühne springen, rasen, explodieren dazu die Emotionen, da wird geschrien, gequasselt, getobt. Typisch Zöllig. Je sakraler der Komponist, desto säkularer der Choreograf.
Der programmatische Kontrast zur Musik hat Gregor Zöllig schon öfter inspiriert. Zum Schwelgen der 1. Sinfonie von Brahms – Verfechter der absoluten Musik, Komponist des Bürgertums – wurde zuletzt beim Bielefelder Tanztheater schwer malocht und eine erbarmungslose Arbeitswelt gezeigt, die den Menschen herabsetzt. Das brachte Zöllig eine Nominierung für den Faust-Theaterpreis in der Sparte Choreografie.
Auch sein 2000 entstandenes, nun neu einstudiertes Stück interpretiert den Titel «Tabula rasa» gegenläufig zum estnischen Komponisten. Bei Zöllig wird, patsch, auf den Tisch gehauen und ausgepackt: Eine Tänzerin pumpert die High Heels in den Bühnenboden, offensichtlich will sie einen ...
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