Bizarre Fassade
Kein Wendestück, gottlob. Torsten Händlers Premiere firmierte zwar zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der neue Ballettdirektor des Theaters Plauen-Zwickau hat für seinen künstlerischen Einstand daraus aber nicht leichtfertig Kapital geschlagen. Er versteht jenen Umbruch eher als Wandel im Leben des Einzelnen: Wenden passieren einem permanent. Kein Heldenpathos um die friedliche Revolution, sondern Nachdenken über private Beziehungen, fast unabhängig vom gesellschaftlichen Event, ohne biedermeierliche Betulichkeit. «Das Haus» klassifiziert Händler süffisant als «Ein Wändestück».
Wasser tropft elektronisch, in grünem Dampf stehen je sechs Frauen und Männer in Reihe vor Manuela Geislers bizarrer Fassade als Dekoration. Nervös sich steigernde Musik von Philip Glass treibt die Menschen von ihr fort. Intensiven Tanz mit Sprüngen und Bodenrutschern sowie dichte Formationen, etwa eine Senkrechte, die sich zu beiden Seiten hin auflöst, setzt der Choreograf schon am Anfang ein. Ein magischer Indianer findet sich in der Personnage. Er betastet die Mauer und zieht daraus ein butzenkleines Häuschen mit Spitzdach vor. Hände wie Schlingpflanzen flattern zu beiden Seiten auf; die Wohnstatt eines ...
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So viel Sehnsucht. So viel Hoffnung auf den «Wundermann», auf Martin Schläpfer, den toptalentierten Choreografen, der als Ballettdirektor Düsseldorf/Duisburg endlich zu überregionalem Tanzruhm verhelfen soll. Wunder hat er schon vollbracht, als er in der einstigen Tanzprovinz Mainz eine erstklassige Truppe etablierte.
Die brachte er nun mit ins neue Domizil,...
Zum Beispiel: «Accords». Das aktuelle Stück der belgischen Compagnie ZOO um den Schweizer Thomas Hauert ist musikalisch, intelligent, großzügig, witzig, spannend, kindlich verspielt, virtuos und manchmal gekonnt dilettantisch, das perlt und klumpt und schwärmt und singt, leicht wie ein Soufflé, dann expressionistisch, gleitet ins Lyrische, surft auf der Musik oder...
Klingt paradox: Ein Lateinamerikaner rekonstruiert deutschen Ausdruckstanz. Aber schon in seiner Ausbildung in Quito lernte der Tänzer aus Ecuador Mary Wigmans Namen kennen. Den Elementen des modernen deutschen Tanzes wollte er auf die Spur kommen, beschäftigte sich nach dem Studium bei P.A.R.T.S. in Brüssel als Residenzchoreograf am K3-Zentrum in Hamburg mit...
