Bizarre Fassade
Kein Wendestück, gottlob. Torsten Händlers Premiere firmierte zwar zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Der neue Ballettdirektor des Theaters Plauen-Zwickau hat für seinen künstlerischen Einstand daraus aber nicht leichtfertig Kapital geschlagen. Er versteht jenen Umbruch eher als Wandel im Leben des Einzelnen: Wenden passieren einem permanent. Kein Heldenpathos um die friedliche Revolution, sondern Nachdenken über private Beziehungen, fast unabhängig vom gesellschaftlichen Event, ohne biedermeierliche Betulichkeit. «Das Haus» klassifiziert Händler süffisant als «Ein Wändestück».
Wasser tropft elektronisch, in grünem Dampf stehen je sechs Frauen und Männer in Reihe vor Manuela Geislers bizarrer Fassade als Dekoration. Nervös sich steigernde Musik von Philip Glass treibt die Menschen von ihr fort. Intensiven Tanz mit Sprüngen und Bodenrutschern sowie dichte Formationen, etwa eine Senkrechte, die sich zu beiden Seiten hin auflöst, setzt der Choreograf schon am Anfang ein. Ein magischer Indianer findet sich in der Personnage. Er betastet die Mauer und zieht daraus ein butzenkleines Häuschen mit Spitzdach vor. Hände wie Schlingpflanzen flattern zu beiden Seiten auf; die Wohnstatt eines ...
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