Wellenbewegungen
Das Genfer Ballett gibt einen belgischen Abend, wenn auch die beiden Choreografien von Annabelle Lopez Ochoa und Sidi Larbi Cherkaoui unterschiedlicher kaum sein können. Gemeinsam ist den beiden: sie kommen aus derselben Generation, beide entstammen Einwandererfamilien – sie aus Kolumbien, er aus Marokko. Sie wandte sich dem Ballett zu, er wurde Alain Platels Ritter von der Traurigen Gestalt. Beiden gemeinsam ist, dass sie sehr gute Handwerker sind. Beide bringen einen sehr schönen, sehr ungewöhnlichen Abend zustande.
Stierkampf? Zwei Männer stehen sich Stirn an Stirn gegenüber – das kann nicht gut gehen. «Loin», Cherkaouis Stück, beginnt bedrohlich. Das ändert sich erst, wenn das andere Geschlecht ins Spiel, will sagen: in Pose kommt. Stehen sich zwei Frauen gegenüber oder ein Mann und eine Frau, kommt Vertrauen auf oder gar Zärtlichkeit. Distanz ist variierbar, sie beeinflusst die Gefühle. «Loin» lotet Distanzen aus – besser, Ideen von Distanzen.
Leitfaden ist eine Musik aus längst vergangener Zeit: Ausschnitte aus den Rosenkranz-Sonaten von Heinrich Ignaz Franz Biber. Der Umschwung kommt erst in den langen Pausen zwischen den Sonaten. Da erzählen 23 Tänzer von ihren ...
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«Er war seiner Zeit voraus», sagt Stuttgarts Choreologin Georgette Tsinguirides. Ein «strebsamer Ballettchef im Bereich des deutschen Theaters», urteilt der Kritiker Otto-Erich Schilling. Kein Routinier, dessen Namen man längst vergessen hat, sondern ein «unglaublich maskuliner Tänzer und fähiger, fortschrittlicher Choreograf». Meint die Stuttgarter...
Deborah Colker schwor sich in Rio, ein Bondage-Ballett zu inszenieren. «Nó» sollte es heißen, brasilianisch für Knoten. Dieselbe Musik, anders abgemischt, aus der sich schon «Ela» vor zwei Jahren an der Komischen Oper Berlin nährte. Unter einem dürren Baumstamm. Nun ist der Baum mächtig gewachsen. 120 Schnüre hängen wie Lianen. Aus der Verführszene von einst, Adam...
Wenn es sein muss, tanzen sie sogar auf schmelzenden Butterbergen. Doch diesmal winden sich Nora Schott und Ariane Thalheim im Staub ihres Angesichts, bis ihren Larven nicht Schmetterlinge, sondern zwei brisante Kunstgeschöpfe entschlüpfen. Und die fackeln nicht lang. Wann immer sie tanzen, sind sie Feuer und Flamme und brennen ihre Bewegungen ab, als wäre ihre...
