Was heisst hier klassisch?

In der Zeit, die man die klassische nennt, gab es nicht das Ballett, das wir heute kennen. «Klassisch» wurde es auch nicht in der Romantik genannt, sondern erst im 20. Jahrhundert. Ein historischer Exkurs zur Herkunft dieses so vieldeutigen Begriffs.

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Jede Kunst hat einen Kanon und ein Who’s who ihrer wichtigsten Vertreter. An Goethe, Mozart oder Leonardo da Vinci kommt niemand vorbei. Ob Avantgardisten wie Jackson Pollock auch in die Bildungscurricula gehören, darüber lässt sich streiten. Im Pantheon der Künste jedoch stehen diese Neuerer von vorgestern gleich neben den Klassikern ihres Metiers.

Zu Meistern ihres Fachs zählen Filippo Taglioni, Marius Petipa und Serge Diaghilev ganz gewiss. Auf die Ehrentribüne der kulturgeschichtlichen Prominenz haben sie es aber nicht geschafft.

Was vor allem mit der Vergänglichkeit ihrer Kunstgattung zu tun hat: Sobald der Vorhang fällt, verflüchtigt sich der Tanz und radiert die eigenen Fußspuren aus. Ein paar Augenzeugenberichte, Dekorationsskizzen, Inszenierungsnotizen, vielleicht noch eine mehr oder minder apokryphe Notation – das sind die schmalen Hinterlassenschaften, auf die sich die Tradition des Balletts berufen kann.

Jenseits der Tanzgemeinde sind Taglioni, Petipa und Diaghilev weithin vergessen. Dabei haben sie unsterbliche Klassiker aus der Taufe gehoben – die beiden Ersteren als Choreografen, der Dritte als Mentor der Moderne. Aber was heißt das genau, was ist eigentlich ein ...

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