Was denkt Susanne Linke

Susanne Linke über Emanzipation

Tanz - Logo

Emanzipation? Na, ich finde das gut. Das haben die 68er damals auf den Weg gebracht. Aber ich war nicht aktiv. Ich war nur mit Tanz und Training beschäftigt. Das macht einen so müde, dass einem der Kopf dann völlig ausgeblasen ist. Da kannst du nicht so politisch denken. Nur, dass so eine Nazizeit nicht noch mal kommen darf, ist klar. Viele Künstler waren naiv und sind darauf reingefallen, auf diese Gehirnwäsche durch Hitler. Mary Wigman war total begeistert, hat ihm Briefe geschrieben, hat an die große neue Zeit geglaubt. Da fasst du dich doch an den Kopf, das war eine intelligente Frau.

Dabei war’s auf der Mary-Wigman-Schule in Berlin danach viel freier als bei der Folkwang-Schule. Die kam mir schrecklich langweilig vor. Kurt Jooss war in den letzten Zügen in Essen, alle außer Dore Hoyer machten Abstrakten Tanz. Nur das kam beim Publikum an. Bloß keinen Inhalt. Bis Pina Bausch kam und neuen Wind aus New York mitbrachte. Die hat die Hälfte der Tänzerinnen aus dem Folkwang Tanzstudio aus­getauscht. Das waren vorher klassisch Geschulte, die Frisur hoch und so, da wollte ich auch nicht rein. 1970 hat sie dann richtige Frauen-Typen geholt, Persönlichkeiten. Das Wort Emanzipation gab ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2008
Rubrik: Was denkt..., Seite 72
von Susanne Linke

Vergriffen
Weitere Beiträge
Isadora Duncan

Isadora Duncan war die Sehnsuchts-Figur des Neuen Tanzes am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie tanzte barfuß, antichristlich, berief sich auf die Götter der Griechen. Ihre drei Kinder starben. Unehelich. Eine Tragödie. Ohne Korsett und Spitzenschuh verkörperte sie die Freiheit. Amerika. Da kam sie her. Ihre Ersatzkinder, die «Isadorables», fand sie in den von ihrer...

Jenseits

Sonnenwende am Gletscherstrand – der ideale Urlaub. Der Wiener Choreograf Chris Haring fordert: «Jede Jahreszeit jederzeit!» Auf der spanischen Expo in Zaragoza vereinigt er im österreichischen Pavillon die beiden Klassiker unter den Urlaubsländern, sperrt Klischees von Spanien und Österreich in eine überdimensionale, begehbare Schneekugel. Und schüttelt das...

Janet Eilber

Seit 2005 sind Sie Künstlerische Leiterin der Martha Graham Dance Company. Wie steht es um die Aufführungsrechte der Choreografien? Bis auf zwei liegen sie nun endlich bei uns. Die Zeit nach Grahams Tod 1991 war hart wegen des Nachfolgestreits mit Ron Protas. Es gab kaum Auftritte und wenig Reisen. Von Grahams nachgelassenen 181 Choreografien sind heute etwa 50...