Die Bernal Methode
Auf den ersten Blick unterscheidet sich ihr Unterricht nicht von dem anderer Ballettpädagogen. Erst wenn man genauer hinschaut, ist vieles anders: die Zeit, die sie sich für die «Stange» nimmt, die Unnachsichtigkeit, mit der sie immer wieder die ers-te Position korrigiert. Bis alles im Lot ist. Christina Bernal, klein von Gestalt, aber unübersehbar im Ballettsaal, entgeht nichts.
«Sie hat ein unglaubliches Auge», meint Bridget Breiner, die ehemalige Stuttgarter und Dresdner Ballerina, die sie über einen längeren Zeitraum hinweg beobachtet hat; «sie besitzt einen Instinkt dafür, die Wurzeln eines Prob-lems aufzuspüren.» Das ist nicht immer so einfach. Allzu leicht täuscht ein Tänzer über seine Handicaps hinweg und kompensiert sie so lange durch sein künstlerisches Können, bis der Körper nicht mehr anders kann und auf seine Überforderung verletzt reagiert. Back to the roots also. Die energische Frau mit Kurzhaarfrisur achtet bei ihrer Basisarbeit sehr genau darauf, dass jedes Gelenk wieder seinen anatomisch angestammten Platz findet und jede Bewegung richtig gewichtet wird. Sie sind das A und O.
«Gleiches Gewicht auf beiden Füßen!», predigt die Pädagogin immer wieder und nennt als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Tanzsport?!»
«Ist ein Begriff, den vornehmlich Standardtänzer benutzen. Für Choreografen scheint der Vergleich von Sport und ihrer Kunst eher den Tatbestand einer Beleidigung zu erfüllen.» Sagt Nick Hobbs. Der Choreograf. Frei machen vom «Sportlichen» kann sich der Tanz eh nicht. Nur Menschen, die sich nicht gern bewegen, tanzen nicht. «Sport ist ein Teil des...
Das Licht schält sie sanft, fast nachsichtig, aus dem Dunkel heraus. Zwei Figuren, sie vorn, er hinten, in zwei Welten. Dazu klackert, schabt und hallt es in der elektronischen Klangkulisse. Als blicke man in eine entfernte Zeit, einen fremden Ort; zerfallen und vergessen sind Alltag und Leben. Die Frau im knielangen goldbraunen Kleid reckt ihr Gesicht suchend,...
Sergei Vanaevs radikale Umdeutung des Tschaikowsky-Klassikers für ein Dutzend hoch motivierter Tänzer in Bremerhaven erfüllt zwar nicht die Erwartungen an Spitzentanz und ans imperiale Prachtballett, erzählt aber konsequent, tragikomisch und verständlich das Drama unerfüllbarer Liebe. Die «Böse Fee» ist der dunkle verwirrende Sexus von rätselhafter Anziehungskraft...
