Isadora Duncan
Isadora Duncan war die Sehnsuchts-Figur des Neuen Tanzes am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie tanzte barfuß, antichristlich, berief sich auf die Götter der Griechen. Ihre drei Kinder starben. Unehelich. Eine Tragödie. Ohne Korsett und Spitzenschuh verkörperte sie die Freiheit. Amerika. Da kam sie her. Ihre Ersatzkinder, die «Isadorables», fand sie in den von ihrer Schwester Elizabeth geleiteten Schulen. In hochherrschaftlichen Villen: Potsdam, Berliner Grunewald, die Mathildenhöhe in Darmstadt, das Schloss Bellevue bei Paris.
1927 in einem Bugatti-Sportwagen strangulierte sie ein Schal, der sich beim Anfahren im Rad verfing. Die emanzipierte Duncan, so wird sie erinnert. In ihrem Buch «Dionysos in Sparta» fragt Natalia Stüdemann (bei www.transcript-verlag.de): Und was war in den insgesamt elf Jahren, die Isadora in Russland lebte? 1905 kam sie zum Petersburger Blutsonntag. Die Revolution: niedergeschlagen. 1921 kam sie wieder: Die Revolution hatte gesiegt. Und besiegte den Tanz. Besiegte ihren Traum, die Befreiung des Menschen durch den Körper. Sie scheiterte am militärischen Drill, am Ballett, das den Körper in strenge Bahnen lenkt. Sie wollte – an der Seite zahlreicher russischer ...
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