Was bleibt

Seit 2011 haben zahlreiche Künstler verlorene Tanzschätze gehoben und neu bearbeitet, mithilfe des «Tanzfonds Erbe». Jetzt endet das Projekt mit einem Festival, das die Berliner Akademie der Künste ausrichtet. Irene Sieben berichtet – auch als Zeitzeugin

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Einst sah ich Dore Hoyer wie einen dunklen Vogel, schräg vorwärts geneigt, durch den Berliner Tiergarten eilen. Als «letzte Fahnenträgerin des Ausdruckstanzes», wie sie sich selbst nannte, strebte sie einsam, in sich gekehrt, der neuen Akademie der Künste (AdK) am Hanseatenweg entgegen. Mit der Studiobühne und den Künstlerwohnungen war der aparte Flachbau mit den begrünten Innenoasen sporadisch Fluchtort der Tänzerin, die zwischen ihrer deutschen Heimat und Argentinien hin- und herpendelte. Oft auf vergeblicher Suche nach Arbeitsmöglichkeiten und Unterstützung.

1960 von Werner Düttmann erbaut, wurde die AdK zum Diamant des neuen, zur Interbau 1957 entstandenen Hansaviertels und zur Pilgerstätte meiner Generation, die hier nach und nach lernte, wie Wandel und Vielfalt im Tanz schmeckt. Dass nun in besagter AdK gleich drei Reenactments von Dore Hoyers letztem großen Tanz-Zyklus «Afectos Humanos» zu sehen sein werden (von Renate Graziadei, Nils Freyer und Pol Pi wiederbelebt), verknüpft das Heute mit dem Gestern auf faszinierende Weise – an einem Ort, der für die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes und die Neudefinition von Körperbildern enorme Wichtigkeit hat.

«Was der Körper ...

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Tanz August/September 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Irene Sieben

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