Sparten, geht zusammen
Wer vermeintlich chancenlos ist, setzt gerade in Krisenzeiten manchmal gemeinsam ungeahnte Produktivkräfte frei. Das gilt auch für traditionell eher schwergängige Institutionen mit eingeschliffenen Gewohnheiten – Theater eben. Zumal solche, die, von ihren dauerklammen Trägern kurz und kürzer gehalten, schon so gut wie abgeschrieben sind. Häuser wie das Volkstheater Rostock oder das Theater Hagen.
Es waren vor allem Schreckensmeldungen, die während der letzten Jahre von der Ostsee und aus Westfalen drangen: schrumpfende Budgets, Publikumsschwund, Personalabbau, veraltete Technik, mutlos agierende Kommunalpolitiker. Denkbar schlechte Voraussetzungen, um sich auf das Wesentliche, das Spiel auf der Bühne, zu konzentrieren. Als Joachim Kümmritz 2016 aus Schwerin nach Rostock berufen wurde, um das taumelnde Volkstheater wieder auf Kurs zu bringen, standen harte Einschnitte, selbst eine Teilabwicklung des Vierspartenbetriebs auf der Tagesordnung. Knapp drei Jahre später hat sich, nicht zuletzt dank eines um Ausgleich bemühten Führungsstils, das Klima gründlich gewandelt: Schauspielchef Ralph Reichel, der mit Spielzeitbeginn die Intendanz von dem inzwischen 70-Jährigen übernimmt, und die ...
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Tanz August/September 2019
Rubrik: Warm-up, Seite 1
von Albrecht Thiemann
Es gibt noch Stücke, die Grenzen verschieben und die Welt der Kunst ein Stück weit verändern. «Bilderschlachten» von Stephanie Thiersch bietet solch ein Erlebnis, ganz überraschend und daher umso intensiver. Selbst in einem Jahrhundert revolutionärer Tanzgeschichte ist eben doch noch nicht alles probiert, realisiert und abgehakt worden. Die «Bilderschlachten» toben...
Okay, die Hoffnung stirbt zuletzt. Das gilt auch für ein Interview mit Benjamin Millepied. Zweimal hat er den Termin verschoben. Sicher ist nur, dass er an diesem Abend die Vlaamse Opera in Antwerpen betreten wird, um mit «Bach Studies» seine neueste Choreografie aus der Taufe zu heben. Zwei Tage vorher, bei der Generalprobe, war er noch allerbester Stimmung....
Seit er 1976 mit «Einstein on the Beach» eine choreografische Oper schuf, in der Lucinda Childs als Tänzerin auftrumpfte, gilt Robert Wilson als Avantgardist und Revolutionär des Schauspiels. Die Aura, die den 77-Jährigen umgibt, gleicht der einer Pina Bausch oder eines Maurice Béjart. Dabei hat sich Wilsons Stil seit Jahrzehnten kaum verändert: Seine gestochen...
