Warm-Up
gestohlene gefühle
Ein Jüngling liebt ein Mädchen und hat sich diesem noch nicht vermählt es ist eine alte Geschichte. Er kauft für teures Geld Ballettkarten, um ihr zu imponieren. Während der Vorstellung sucht er verzweifelt nach dem Moment der Gefühlseinigkeit. Er wird ihn schon in irgendeiner Art finden, denn schließlich hat auch das Mädchen darauf gewartet. Aber insgeheim ist er enttäuscht. Auf der Bühne hat er echte Gefühle nicht gesehen, er fühlt sich getäuscht. Kann man Gefühle stehlen?
Der Verstand irrt, das Gefühl nicht.
Sagte einst der Komponist Robert Schumann und teilte sich in den Rationalisten Eusebius und den Romantiker Florestan, um die Dialektik schreibend voll auskosten zu können. Dialektik würde man auch vielen heutigen Betrachtern des Tanzes wünschen, die so gerne nach Schwarz und Weiß urteilen. Man braucht aber keine Scharfrichter, sondern Menschen, die in historischen Dimensionen denken und fühlen.
Bei der Eröffnung der diesjährigen Ausgabe von «Tanz im August» wurde die Choreografie «Available Light» gezeigt, Anfang der 1980er-Jahre von Lucinda Childs entworfen. Kühl zogen die Tänzer ihre Bahnen und präsentierten nichts als Figuren, scheinbar absichtslos ...
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Tanz November 2015
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Bernd Feuchter
Das Pariser Lido ist rund um die Welt ein Begriff, aber wer kennt den Namen der Bluebell Girls? Seit sie nicht mehr auf große Tourneen gehen wie noch in den 1950er-Jahren, firmieren sie nicht mehr eigenständig als prominente Marke. Vielmehr sind sie heute fester Bestandteil der Weltmarke «Lido de Paris» und verschwinden diskret hinter deren Glanz. Das «célèbre...
Ende 2015 läuft eine Frist ab, die relevant ist für alle Mitglieder von Tanz-
ensembles, die nicht selbst auf der Bühne stehen, also Ballettmeister, Pädagogen und Choreografen. Sie können von der Bayerischen Versorgungskammer (VddB) gemäß der alten Regelung statt einer späteren Alters-Zusatzrente eine einmalige Abfindung erhalten. Voraussetzung dafür ist, dass die...
screening
carlos acosta
Es könnte das vorletzte, das letzte oder wirklich das allerletzte Mal sein, dass Carlos Acosta persönlich einem Tanzhelden Statur verleiht. Indem er Don José, den vor Eifersucht rasenden Liebhaber von «Carmen», porträtiert. Seit Monaten bereitet der kubanische Gaststar des Royal Ballet in London die Öffentlichkeit darauf vor, dass er sich bald...
