Von Bausch zu Bouché
Bruno Bouché macht klare Ansagen. Ein «europäisches Ballett des 21. Jahrhunderts» will er definieren und erschaffen. Nichts Geringeres. Seit 2017 leitet der ehemalige Tänzer des Pariser Opéra-Ensembles die Geschicke des Ballet de l’Opéra national du Rhin, das in Mulhouse probt und gleichzeitig auf den Bühnen von Strasbourg und Colmar beheimatet ist. Bouchés choreografische Lektüre des Wenders-Films «Der Himmel über Berlin» (im Französischen «Les Ailes du désir», siehe S.
31), sein erstes abendfüllenden Werk, offenbart seine Ambitionen: Es ist modern, europäisch, innovativ. Gleichzeitig räumt der smarte, dezente und stets unprätentiöse Mittvierziger jeden Verdacht aus, seine Ernennung zum linksrheinischen Ballettchef könne ihm zu Kopf gestiegen sein. Im Gegenteil. Erst jetzt sei er bereit, sich als Choreograf zu definieren, versichert er. Schon nach der Uraufführung im Herbst 2021 hatte er verlauten lassen, dass er im Falle eines Misserfolgs das Choreografieren wohl gänzlich aufgegeben hätte. Denn: «Es war im Grunde ein völlig vermessenes Projekt. Zum Glück ist mir das erst im Nachhinein aufgefallen, sonst hätte ich es gleich gelassen.»
Geister Europas
Was ihm in Sachen Ballett der ...
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Tanz März 2022
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Thomas Hahn
Spotlight
ASZURE BARTON
«Ich bin nicht Alexei Ratmansky», sagte Aszure Barton bedauernd in der tanz-Ausgabe vom Mai 2014, als sie auf das Genre Erzählballett angesprochen wurde. Dafür müsse man ein Meister sein, meinte die Choreografin – und das sei sie eben nicht. Deshalb hat sie Aufträge für Handlungsballette bislang stets abgelehnt und ausschließlich...
Die Jury, der neben Arlette-Louise Ndakoze, Matthias Quabbe, Ana Vujanovic und unserer Autorin Melanie Suchy auch Annemie Vanackere und Ricardo Carmona vom gastgebenden Hebbel am Ufer (HAU) angehörten, hat ein enorm vielseitiges Programm zusammengestellt: eine Art Prisma der Gegenwartstendenzen. Zwei der geladenen Stücke haben wir bereits vorgestellt, Julian Webers...
Es ist ihr Abschiedsgeschenk an die Kompanie, die sie in den vergangenen neun Jahren geleitet hat: Tamara Rojos Bearbeitung von Marius Petipas «Raymonda»-Choreografie, uraufgeführt 1898 zur ersten Ballett-Komposition Alexander Glasunows. Seit 1964 hat keine britische Ballettkompanie das Werk in voller Länge aufgeführt; entsprechend gründlich hat Rojo ihr...
