Voisin
Voisin heißt er und ist keine zehn Jahre alt. Ganz genau weiß man’s nicht. Niemand an der Elfenbeinküste nennt sein wahres Alter. Voisin heißt auf Deutsch: der Nachbarsjunge. Er wuchs auf wie alle Kinder, die hier in Schwärmen leben. Die vielleicht Fünfjährigen passen auf die Zweijährigen auf. Etwas ältere Kinder bekommen am Spielfeldrand von den Nachbarn eine kleine Münze zugesteckt, für eine Erledigung, eine kleine Gefälligkeit. Ein Kindergarten scheint so überflüssig wie ein Erzieher.
Aufsicht und Kontrolle erledigen die Kinder untereinander, und treiben sie es zu bunt, ist jeder Erwachsene berechtigt, sie zurechtzuweisen. Ein Kinderparadies? Hierarchische Ordnung herrscht in diesen Gangs, die mit der Schule weit weniger am Hut haben, als es Abidjan offiziell verlautbart, die Megalopole, deren geschätzte sechs Millionen Einwohner angeblich jedes zweite Kind in die Schule schicken.
Voisin lebt in einer der zehn eigenständigen Städte dieser Agglomeration, die von der Lagune am Atlantischen Ozean wie eine Krabbenschere ins Land greift. Es ist zwei Uhr nachts in Yopougon. Voisin tanzt in der berühmten Rue Princesse, einer Magistrale von Nachtclubs, die sich nach der Krise im Land ...
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