Otto Bubenícek
Otto Bubenícek, Erster Solist im Hamburg Ballett, bringt John Neumeiers neue Choreografie «Orpheus» auf den Punkt. Sie ist ein getanztes Loblied auf die Macht und die Magie der Musik. Aus dem Sänger zur Lyra in der griechischen Mythologie wird bei Neumeier ein Geiger. Zufällig sieht er auf der Straße Eurydike – bezaubernd fragil auf Erden und ein ätherischer «Schatten»: Hélène Bouchet. So rasch, wie er sie lieben lernt, verliert er sie wieder – durch einen Autounfall.
Jean Anouilhs «schwarzes» Stück «Eurydice» von 1941 inspirierte Neumeier, den Mythos in die Gegenwart zu transponieren. Zu Strawinskys Ballettmusiken «Apollon musagète» und «Orpheus», Solostücken aus den «Rosenkranz-Sonaten» des Barockkomponisten Heinrich Ignaz Franz Biber und vier Text-Sound-Collagen aus dem Konzept-Album «Orpheus the Lowdown» von Andy Partridge und Peter Blegvad stellt er diesen Mythos entschlossen, auf Kosten von Poesie, auf den Boden der Tatsachen. Orpheus verschlägt es aufs harte Pflaster eines Straßenmusikers und in eine texanische Absteige unter Nutten. Neben den scharfen Kontrasten von musikalischer Moderne und Barock prägt das Ballett die kühle Ästhetik von Ferdinand Wögerbauers wandernden ...
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Eine hochgewachsene Frau weht herein, im bodenlangen roten Rock, geschäftig mit einem Blechtopf hantierend. Sie besorgt den Haushalt in der Kargheit der Bühne, die von einem asymmetrischen, weißen Trapez abgeschlossen wird. Das allein erzeugt ein Ungleichgewicht im Raum, eine Spannung. Die Frau ist gar keine: Sie wird gespielt vom Choreografen Jonas Byaruhanga....
Der Anfang ist Fliegen. Schräg hinter einem Hubschrauber, im Lärm, beschreiben wir eine Kurve, das wolkige Blau unter uns weicht dem geometrischen Grau einer Stadt, vielleicht New York, riesige Bauten werden erkennbar, Straßenschluchten von oben. Der Flug stoppt, die Kamera, wäre es eine, schaut von oben auf die Silhouette des Helikopters. Etwas fällt aus ihm...
Der Horizont scheint unendlich weit. Wie im «Lied von der Erde» von Kenneth MacMillan blaut anfangs die Bühne im Haus der Berliner Festspiele, als wollten die Tänzer das Universum ausschreiten. Doch davon kann in «Egopoint» keine Rede sein, auch wenn ein Alu-Dreieck als zentrales Objekt des Stücks dem Auge Gottes ähnelt. Nadja Saidakova strebt nur insofern höhere...
