Vision gesucht
Dagmar Birke, im Jahrbuch 2024 haben wir beide über Konflikte in Ensembles, in Theatern gesprochen: Welche Fehler gemacht werden, und warum die Strukturen des Zusammenarbeitens oft ungenügend bis gar nicht durchdacht sind, bei Veränderungen nicht angepasst werden.
Wenn wir das Scheitern von Demis Volpi als Nachfolger von John Neumeier in Hamburg durch diese Brille anschauen, dann frage ich mich, ob es überhaupt möglich ist, ein über 51 Jahre von einer Person aufgebautes und von ihr kontrolliertes System zu übernehmen, ohne dass es heftig kracht?
Da gibt es keine klare Antwort. Es ist mit das Schwierigste, was man sich vorstellen kann. Und dazu kommt ja noch, dass es nicht nur die 51 Jahre sind, sondern die Legende Neumeier. So eine Nachfolge ist grundsätzlich höchst diffizil. Ich bin keine Insiderin, was das Hamburg Ballett betrifft. Ich will auch keine Hypothesen in den Raum stellen, was da wie gewesen ist. Ich kann nur grundsätzlich über so eine Struktur sprechen – und eine Nachfolgeregelung ist überall kompliziert. Es haben sich doch Strukturen gebildet, Menschen haben sich zusammengetan, arbeiten vielleicht sogar seit Jahrzehnten miteinander. Da entstehen Traditionen und ...
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Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Tanzerbe, Seite 138
von Claudia Henne
Es pumpt, pulsiert, bebt. Gliedmaßen zucken hervor wie Blitze in einer Hochspannungsleitung. Es ändert abrupt seine Richtung, manchmal entlässt es taumelnd und zappelnd einzelne Teile. «Es» – das ist ein Organismus ganz eigener Art. Eine mit irrsinniger Energie aufgeladene Kreatur, monströs, wunderschön. Oder weniger mystisch ausgedrückt: «Es» ist eine Gruppe von...
Eine solche Giselle habe ich noch nie gesehen? Nein, es ist keine neue Figur, keine neue Geschichte, nichts, was die eben zur Wili gewordene Bauerntochter aus dem Zauberwald ins Hier und Heute katapultieren würde. Giselle ist Giselle, ist gestorben an zu viel Liebesschmerz fürs schwache Herz und steht nun weiß und unschuldig wie alle Wilis dieser Ballettwelt im...
Auf so eine Idee muss man erst mal kommen. 1977 lässt sich Reinhild Hoffmann zum ersten Mal auf einem Sofa nieder und kommt nicht mehr wirklich von ihm los. Wer an die Tänzerin und Choreografin denkt, wird sich sofort an ihr «Solo mit Sofa» erinnern. Angetan ist sie mit einem überaus eleganten Abendkleid, dessen Schleppe mit dem Möbel – Objekt ihrer Begierde – auf...
