Gerecht
Vor einigen Jahrzehnten gab es ein Experiment: Die Niedersächsische Lottostiftung legte – entgegen aller Gepflogenheiten – die Entscheidung über Anträge Freier Theater in die Hände einer einzelnen Person. Der Künstler und Kunstberater Ludwig Zerull beschäftigte sich ausschließlich als gelegentlicher Theaterbesucher mit den eingereichten Vorhaben. Die Aufregung war groß, Fachjurys würden mit diesem Verfahren düpiert. Mag es an seiner Vorsicht oder am ausgleichenden Zufall liegen: Die Ergebnisse seiner Empfehlungen unterschieden sich kaum von denen der Theaterjurys.
Es gibt Versuche, Fördermittel im Losverfahren zu vergeben. Mitunter sollen sogar Mitarbeitende von Stadtverwaltungen immer noch über Förderanträge entscheiden.
Die Kulturstiftung des Bundes setzt hingegen auf multiperspektivische Fachlichkeit: Die Jurys, die sie beraten, sind mit Expert*innen unterschiedlicher Kultursparten und Themenbereiche besetzt. Sie kommen zusammen und erarbeiten in ausgiebigen Debatten ihre Empfehlungen aus zahlreichen hervorragenden Anträgen.
Ist das gerecht? Für sich betrachtet, unterliegt jede Entscheidung für oder gegen eine Förderung immer auch Zufälligkeiten: dem Panorama der eingereichten ...
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Tanz Jahrbuch 2025
Rubrik: Barrieren, Seite 58
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Alles ist in Bewegung. Am 22. Januar 1905 schießt die Palastwache von Zar Nikolaus II. in Sankt Petersburg auf demonstrierende Menschen. Nach einem Generalstreik kommen an diesem Sonntag über 30 000 Arbeiter in einem Sternmarsch zum Winterpalast, um sich – friedlich – für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, eine Agrarreform, religiöse Toleranz, das Ende der Zensur...
Im zurückliegenden Mai – einen Monat bevor Präsident Trump trotz der Einwände des kalifornischen Gouverneurs Gavin Newsom die Nationalgarde und US-Streitkräfte gegen überwiegend friedliche Demonstrant*innen einsetzte – erhielten Hunderte kalifornischer Künstler*innen und Kultureinrichtungen eine Standard-Mail, in der ihnen mitgeteilt wurde, dass ihre bereits...
Für mich als junger Mensch war Musik etwas Übergroßes, nicht Fassbares – etwas, das mich in andere Sphären hob, an einen höheren Ort, einen, an dem ich mich frei fühlte, ganz anders zumindest als im Leben unten. In meiner Mini-Musik-Sammlung gab es Beethovens Violinkonzert, Chopins Klavierkonzerte gespielt von Vladimir Ashkenazy, der für mich schon allein vom Cover...
