vermessene tänzer

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Fotografiert, statistisch erfasst und ­geografisch lokalisiert, wird der Tänzer bald aufhören, uns ein Rätsel zu sein – gespeichert, gefilmt und ausgestellt in Datenbanken, auf Fotowänden und Landkarten. Auf Letztere ließ Olivier Dubois mehr als 20 jüngere oder ältere Exemplare der Spezies farbige Punkte kleben, um zu erfassen, wo überall Tänzer von Gaëlle Bourges bis Wilfried Romoli schon auf der Bühne standen. Auch dass sie reisen, muss ja mal erfasst werden! Die Punkte auf der Weltkarte werden zur Benchmark. Zwischen die riesigen Karten stellt Dubois eine Leinwand.

­Auf der flimmern Interviews: «Warum tanzt du? Was bedeutet das für dich?» «Ich kann nicht ohne Tanz leben.» Etwas empirischer geht da Gabriel Hernandez in seinem «Projet 75» vor. ­Auch er beklebt die Wände und fragt: «Wie sieht der Tagesablauf eines Tänzers aus?» Er kauft ein, fährt U-Bahn oder geht an Krücken. Hernandez folgt ihm vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und schießt alle  fünf  Minuten ein Bild, knipst ihn bis ins Badezimmer und schaut ihm auf den Teller. Was is(s)t dieser Kerl? Auf dem Stadtplan zeichnet Hernandez alle Wege ein, die am Tag zurückgelegt wurden. Glasnost total.
Noch gründlicher geht Bud ...

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Tanz Mai 2011
Rubrik: medien, Seite 60
von Thomas Hahn

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