utopien des repetitiven

Bei Richard Wagner denken viele zuerst an den Walkürenritt. Die musikalischen Klangräume des Bayreuther Meisters sind keine Unikate, sondern ähneln Tanzritualen und Techno-Loopings

Richard Wagner war sicherlich der ausgebuffteste Verführer in Sachen Ekstase. Ethnische und urbane Tanzmusikkulturen können es allerdings diesbezüglich durchaus mit ihm aufnehmen. Lässt sich dieses ausdifferenzierte und praxiserprobte Wissen um die Entrückung nicht in eine Neuinterpretation von Wagners Werk einbeziehen? Die folgenden Gedanken sind als utopische Wegzehrung für eine aufführungspraktische Beschäftigung mit dem Opus des Meisters skizziert.

Bekanntlich ist das Gesamtkunstwerk Wagners ein geschicktes Verweben von Sprache, Musik und Bühnengeschehen.

Während sich die textgebundene Musik – leitmotivisch rhapsodierend – durch die Handlung arbeitet, sind die wortlosen Vor- und Zwischenspiele reine Orchestermusik, in der Wagner eine Klangarchitektur aufspannt, in der die Zeit aufgehoben zu sein scheint. So hören wir im Vorspiel zur Oper «Siegfried» das Nibelungen-Leitmotiv als mantrenartige, fortwährend sich wiederholende Zelle, die sich zunächst zum Gewebe und dann zum Klangkörper formt. Der Bewegungsverlauf von der Transzendenz des Gral hinunter auf die Erde und zurück wird im «Lohengrin»-Präludium nachgezeichnet. Die in ätherisch hoher Lage spielenden Streicher wenden sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 94
von Eric Schaefer

Weitere Beiträge
im ohr des betrachters

Marius Petipa musste nicht lange überlegen, zu welcher Musik er Dornröschen wachküssen ließ. Er bestellte sich einfach «ein feuriges und bebendes Motiv» bei Tschaikowsky. Merce Cunningham schuf seine Choreografien unabhängig von John Cages Musik und setzte beides erst bei der Premiere zum fertigen Stück zusammen. «In meinen choreografischen Kreationen habe ich mich...

ksk in gefahr

Das müsste doch alle Politiker unseres Landes erfreuen: Der Deutsche Berufsverband für Tanzpädagogik, der Deutsche Tonkünstlerverband, der Deutsche Bühnenverein – vertreten durch seinen Geschäftsführenden Direktor Rolf Bolwin, der zugleich Vorsitzender des Beirats der Künstlersozialkasse (KSK) ist –, fordern von der Deutschen Rentenversicherung, sie möchte...

streit of spring

Zumindest was den choreografischen Teil betrifft, war es eine runde Sache: Paris feierte den hundertsten Geburtstag von «Le sacre du printemps», und für Tamara, die heute 93-jährige Tochter des Uraufführungschoreografen Vaslav Nijinsky, wurde dieser 29. Mai 2013 ein besonderes Fest. Die Dame, die in den USA lebt, wohnte zum ersten Mal überhaupt einer...