crackz

Er hat den Hip-Hop kunstsalonfähig gemacht, jetzt klaubt Bruno Beltrão eine Choreografie aus dem Netz zusammen und zeigt, wie man als Bad Guy gute Figur macht

Macht es einer, machen es alle anderen auch. Wenn einer einen coolen Move entdeckt, probiert ihn die ganze Gruppe. Hip-Hop ist – wie alle Szenen – eine Kultur des Kopierens und Klauens, während er doch gleichzeitig den Anspruch erhebt, authentisch und «real» zu sein.

Bruno Beltrão, Choreograf aus Brasilien, der bevorzugt die Gepflogenheiten seiner eigenen Szene zerpflückt, demonstriert nun in seinem neuen Stück, dass es mit der kultigen Realness im Mainstream-Phänomen längst nichts mehr auf sich hat: Er habe, behauptet die Ankündigung, gemeinsam mit seinen Tänzern das choreografische Material seines neuen Stücks aus dem Internet gesammelt.

Alles nur geklaut also. Alles gestohlen, gezogen und geraubt. Die Sampel-Share-Mashup-Methode – sie wird derzeit immer wieder als typische Kunstpraxis für die Ära webbasierter Intertextualität ausgerufen. Zuletzt etwa outete sich auch Wim Vandekeybus in «Booty Looting» sarkastisch als «Beuteplünderer». Der Copy-Paste-Choreograf als neue Rebellen-Rolle in der digitalen Gesellschaft.

Ferne Beats im Dauerdämmer

Okay, in Beltrãos «Crackz» wird der Tanz also «gecracked». Nur: Sieht das überhaupt einer? Man hat manchmal Mühe, überhaupt etwas zu sehen. ...

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Tanz August/September 2013
Rubrik: produktionen, Seite 20
von Nicole Strecker

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