Transzendenz
Wo liegen die großen Chancen? Da, wo die Unterschiede besonders stark sind. Da, wo die Tabus uns abschrecken. Da, wo die Emotionen das Potenzial für Transformation aufzeigen. Im Alter von 38 Jahren habe ich meine Familie väterlicherseits in Bamako, Mali gefunden. Aufgewachsen bin ich in Deutschland als Sohn einer Pfarrerstochter. Religion und Spiritualität waren präsent, aber nie dogmatisch. Als Teil der Mehrheitsgesellschaft waren wir frei, Weihnachten zu feiern, zu meditieren oder auf der Straße zu tanzen. Das war kein Widerspruch.
Niemand fragte, wie oft am Tag ich bete, oder ob ich die christlichen Fastengebote befolge.
Das änderte sich, als ich anfing, mich für den Islam zu interessieren. Väterlicherseits sind wir seit vielen Generationen Muslime, aus der Region Kayes in Mali. Ich begann, zu lesen, zu lernen, zu praktizieren. Ich bin Teil der Familie Sissoko und will unsere Traditionen an meine Kinder weitergeben. Zum ersten Mal begegneten mir in Deutschland Vorurteile, die ich vorher nicht kannte. Menschen fragten, ob meine Schwester ein Kopftuch tragen muss, ob ich bete, was ich esse. Plötzlich war ich Repräsentant einer Religion, die ich gerade erst zu verstehen begann.
Gl ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Komplizen, Seite 90
von Raphael Moussa Hillebrandt
REBECCA AMOROSO
Wahrhaft auffallende Erscheinung: groß, blond, sehr jung – was überhaupt nicht zählt, sobald Rebecca Amoroso zu tanzen beginnt. Mit Passion und Reife, weit über ihre 22 Jahre hinaus. Tatsächlich ist die Italienerin das derzeit jüngste Mitglied von Gauthier Dance am Theaterhaus Stuttgart – mit Bedacht gewählt, wenn auch ursprünglich als Hospitantin....
Sharon Eyals unverwechselbarer Stil ist ein Markenzeichen. Er zeichnet sich durch rhythmische Schritte, pulsierende Ensembles sowie eine Vorliebe für Struktur und Symmetrie in Vollendung aus: Hypnotische Klangwelten und schnörkellose Bühnenbilder unterstreichen die dramatische Dimension der Körper. In Summe entsteht daraus eine einzigartige künstlerische Welt....
Die Anfrage für einen Beitrag zu diesem Jahrbuch erreichte mich mit dem Arbeitstitel: «Queer Pride – Tanz als Befreiungsbooster». Sofort entstehen Bilder im Kopf: CSD, Regenbogenflaggen, kollektive Euphorie, utopische Versprechen. Demgegenüber steht queeres Alltagsleben: Diskriminierung, Stigmatisierung und Widersprüche. Wie geht das zusammen? Ich frage in der tanz...
