Urs Dietrich: «Wohin»

Bremen

Tanz - Logo

Es liegt nicht nur am Plastikvorhang an der Rampe, wenn sich das Publikum im Bremer Schauspielhaus bei dieser Tanztheater-Premiere die Augen reiben muss. Nach Ensemblemitgliedern des Hauses sehen die Akteure nicht aus. Fettanzüge polstern Trainingsanzüge und Schlabberkleider aus. Tanz gerät mit dieser Bewegungsbremse schon im Ansatz zur Groteske.

Ein paar Stühle sind auf der Bühne verteilt, wichtige Requisiten, denn im 60-minütigen Verlauf des neuen Stücks von Urs Dietrich wird viel gesessen, und der eine oder andere erschlaffte, ausgeuferte und ausrangierte Körper mäßig und vorzugsweise komisch ins Schwingen und Schlingern versetzt.
«Wohin» heißt das neue Stück des Bremer Chefchoreografen – ohne Fragezeichen. «Wohin» weiß keine Antwort auf die Frage nach dem Danach.
Das große Thema Sterblichkeit steht stattdessen über dem Stück und in Rilkes Gedicht «Todes-Erfahrung». Schlüssel für die Auflösung von Bewegungsbildern, Figurenzeichnung und Geschehenskürzeln  sind sie nicht. Rilkes Text ist nur eine Resonanzfläche für das Stück, beide befruchtet es, man sieht das eine hinterher anders und liest das andere neu.
Wer schwere Schwärze erwartet, sieht sich schnell korrigiert. Schon mit dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Dezember 2008
Rubrik: Der Kalender, Seite 40
von Rainer Beßling

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eine Entdeckung

Eine Entdeckung machte der russische Filmemacher und Historiker Victor Bocharov, als er in die Archive des Mariinsky Theaters in St. Petersburg stieg. Er fand einen Brief, in dem der Solist und Petipa-Schüler Alexander Shiryaev darum bat, einen Tanzfilm über das Russische Imperial Ballett drehen zu dürfen. Datiert ist er auf das Jahr 1906. Zwar wurde Shiryaevs...

Traviata

Geld oder Liebe? Das ist die zentrale Frage. Während Richard Wherlock mit seiner Kompanie das «Traviata»-Ballett am Basler Theater noch probte, stellte dessen Verwaltungsratspräsident Martin Ch. Batzer in einem Gedankenspiel den Fortbestand des Balletts öffentlich infrage. Durch die eventuelle Einsparung der «dritten Sparte» könne er die künstlerische Qualität der...

Zurück auf Null

Jetzt mal ganz grundsätzlich: Was will die Tanzkunst eigentlich sagen? Ist da nicht mitunter ein Brabbeln und Lallen am Werk? Dramaturgische Patschehändchen und zahnlose Mäulchen? Beglücktes Juchzen über Minieffekte und mittleres Geschrei, um Aufmerksamkeit zu kriegen? Mund auf, Augen zu, Hoppe Hoppe Reiter. Und bloß nicht den Schnuller vergessen!

Wenn Choreografen...