Urs Dietrich: «Wohin»
Es liegt nicht nur am Plastikvorhang an der Rampe, wenn sich das Publikum im Bremer Schauspielhaus bei dieser Tanztheater-Premiere die Augen reiben muss. Nach Ensemblemitgliedern des Hauses sehen die Akteure nicht aus. Fettanzüge polstern Trainingsanzüge und Schlabberkleider aus. Tanz gerät mit dieser Bewegungsbremse schon im Ansatz zur Groteske.
Ein paar Stühle sind auf der Bühne verteilt, wichtige Requisiten, denn im 60-minütigen Verlauf des neuen Stücks von Urs Dietrich wird viel gesessen, und der eine oder andere erschlaffte, ausgeuferte und ausrangierte Körper mäßig und vorzugsweise komisch ins Schwingen und Schlingern versetzt.
«Wohin» heißt das neue Stück des Bremer Chefchoreografen – ohne Fragezeichen. «Wohin» weiß keine Antwort auf die Frage nach dem Danach.
Das große Thema Sterblichkeit steht stattdessen über dem Stück und in Rilkes Gedicht «Todes-Erfahrung». Schlüssel für die Auflösung von Bewegungsbildern, Figurenzeichnung und Geschehenskürzeln sind sie nicht. Rilkes Text ist nur eine Resonanzfläche für das Stück, beide befruchtet es, man sieht das eine hinterher anders und liest das andere neu.
Wer schwere Schwärze erwartet, sieht sich schnell korrigiert. Schon mit dem ...
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