Underground

Ein beklemmender Dokumentarfilm über zeitgenössischen Tanz und die Ballettvergangenheit in Iran

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Plötzlich ist dieser Film brandaktuell, aber schon raus aus den Kinos. Kein Fernsehsender, kein Festival hat ihn noch im Programm. Ein Fehler. Denn «1001 Nights Apart» liefert eine Art Hintergrund für die desaströse Lage im Iran. Er handelt von der Kunst, die wie keine zweite stigmatisiert, verboten, sanktioniert und mit Strafen bewehrt ist: vom Tanz. 2018 hat die Regisseurin Sarvnaz Alambeigi mit den Dreharbeiten begonnen, im vergangenen Jahr lief die Doku auf dem «Filmfest München», dann jeweils wenige Tage in ausgewählten Arthouse-Kinos.

Doch als die laufenden Proteste im Iran einsetzten, die Verhaftungsund Hinrichtungswelle ins Rollen kam, war «1001 Nights Apart» schon wieder von den Leinwänden verschwunden. Man kann nur von Glück sagen, dass uns Corona zumindest in puncto Streaming vorwärtsgebracht hat: bei Vimeo lässt sich die 80-minütige Inspektion eines klandestinen Tanztrüppchens besichtigen, für schmale sechs Euro. Jeder Cent ist gut angelegt.

Irgendwo in Teheran treffen zehn junge Leute in einem Souterrain aufeinander. Sie kommen aus ganz verschiedenen Settings: religiöse Familien, wo Frauen den Tschador tragen und tragen müssen, studentische Zirkel, freie Theaterszene. ...

UPDATE
FILMEMACHERIN SARVNAZ ALAMBEIGI ÜBER DIE GEGENWÄRTIGE LAGE

Der Tanz hat in Iran nach der Revolution nie gute Bedingungen gehabt, aber in letzter Zeit ist die Situation schwieriger und düsterer als in all den vier Jahrzehnten zuvor. Und die Einschränkungen haben nicht nur für den Tanz stark zugenommen. Das Regime duldet keine Opposition und keine Kritiker*innen. Alle Künste und Künstler*innen, die eine andere Meinung als diejenige vertreten, die das Regime für angemessen hält, sind von Einschränkungen betroffen. Bildende Künstler*innen, Grafikdesigner*innen, Filmemacher*innen, Maler*innen und Schauspieler*innen werden verhaftet und sitzen im Gefängnis.

Der Unterschied zwischen ihnen und den Tänzer*innen, mit denen ich für meinen Film «1001 Nights Apart» gearbeitet habe, besteht jedoch darin, dass Tanzende keinen Verband, keine Partei von Unterstützer*innen haben, die für sie sprechen. Mehrere der Tänzer*innen aus meiner Doku wurden verhört, einer von ihnen darf seit zwei Jahren das Land nicht mehr verlassen. Ja, die Situation ist alles andere als gut. Bezogen auf die Tänzer*innen aus meinem Film bedeutet das: Alle sind in Iran. Aber keiner und keine kann riskieren, unter den ...

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Tanz März 2023
Rubrik: Iran, Seite 52
von Dorion Weickmann

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