Alle guten Geister

Tânia Carvalho singt. Zeichnet. Komponiert. Entwirft Kostüme. Erfindet das Ballett neu. Und wird sich selbst zum Rätsel, begleitet von Thomas Hahn

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Tânia Carvalho lacht, und das ist in etwa so unausweichlich wie das Amen in der Kirche. Dabei kommen die Lacher der Portugiesin aus einer gewissen Tiefe, weder ironisch noch eventuelle Unsicherheit überspielend. Eher sind sie eine Art Kraftwerk, ein dunkles, befreiendes Sprudeln, das direkt aus den obskuren Gefilden ihres bislang enigmatischsten Stücks zu stammen scheint: «Onironauta» heißt es, und wie der Titel erahnen lässt, erzählt sie darin aus der Welt ihrer Träume.

Die sind nicht unbedingt nächtlich, aber hier eben doch von allerlei grotesk-clownesken Phantomen bevölkert, die bei Tagesanbruch das Weite suchen. Feixend feiern sie ihre Party, während Carvalho am Klavier die Wellen von Chopins «Revolutionsetüde» (Op. 10 Nr. 12) durchkreuzt. Ihr gegenüber sitzt am zweiten Piano mit André Santos ein gelernter Pianist und Schauspieler. Doch Chopins für heutige Ohren wohlklingende, die Form wahrende Etüde, die 1831 unter dem Schrecken des russischen Angriffs auf Warschau im Pariser Exil entstand, mündet hier in ein akustisches Stahlgewitter.

Mit der Ukraine hat das nichts zu tun, obwohl man es heute durchaus so rezipieren könnte – «Onironauta» entstand schon 2020 und spiegelt die ...

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Tanz März 2023
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Thomas Hahn

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