Und trinkt und trinkt

Wagner Schwartz: «Wagner Ribot Pina Miranda ...» in Rio de Janeiro

Tanz - Logo

Wagner Schwartz zieht über seinen nackten Körper eine Schürze, bindet sie sorgfältig am Rücken zusammen, breitet akkurat die drei Meter Stoffbahn, aus der die Schürze besteht, auf den Boden aus und lässt sich selbst mit nacktem Popo auf diesen nieder. Kapriziös und anmutig wie eine japanische Geisha. In der nächsten Viertelstunde wird Wagner Schwartz eine Flasche Weißwein leeren, er wird danach auf charmante Weise betrunken sein, er wird ein wenig mit dem schwankenden Boden kokettieren und sich würdevoll um Haltung bemühen. Wagner Schwartz ist Brasilianer.

«Wagner Ribot Pina Miranda Xavier Le Schwartz Transobject» heißt sein Solo, es ist das Ergebnis einer Frankreich-Reise. Dorthin hatte sich Schwartz begeben, weil er sich für Konzeptkunst interessiert, für Jérôme Bel etwa und Xavier Le Roy. Dass man in Brasilien viel über den französischen Tanz, aber in Frankreich kaum etwas über brasilianischen Tanz und dortige Konzeptkunst-Diskussionen wissen will, war nur eine seiner Reiseerfahrungen.
Brasilianische Städte wie Rio de Janeiro sind Moloche, die alles in sich aufnehmen, jeden neuen Trend verschlingen und – verdauen. Auch das tut Schwartz in seiner Performance. Er trinkt nicht nur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2005
Rubrik: On Stage, Seite 47
von Michaela Schlagenwerth

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tödliche Blicke

Am Mut fehlt es Carlos Matos nicht. Im Gegensatz zum Feigling «Hamlet». Der portugiesische Choreograf, im dritten Erfolgsjahr am Stadttheater Hildesheim, wagte einen Tanzessay nach Shakespeares Drama und scheiterte auf halbem Weg, wie andere vor ihm. Er konzentriert sich auf zentrale Motive und Beziehungen, reduziert die vielschichtige politische Tragödie auf die...

«We Are All Marlene Dietrich FOR» in Avignon

«Ich möchte das Stück unbedingt vor UN-Soldaten aufführen», sagt Emil Hrvatin, slowenischer Co-Autor von «We Are All Marlene Diet­rich FOR». Sie geben ein Handbuch he­raus, das den Verhaltenskodex für Blauhelme und die Geschichte des Entertainments für Soldaten enthält. «Performance For Soldiers In Peace Keeping Missions» ist so der  Untertitel. «Ich liebe...

Gedoppelter Gruppenevent

Am Ende sieht er in jedem Jungen seinen Mann. Noch singt Hedwig Fassbender, für ihren erkrankten Kollegen François Le Roux eingesprungen, ihr «Ewig, ewig», als Tim verzweifelt aufblickt. Er traut seinen Augen nicht. Eben hat er sich von John «verabschiedet», steht der schon wieder leibhaftig vor ihm: als Barkeeper, der ungerührt seine Gläser putzt.
Wer immer das...