Worte helfen
Wer sagt, dass auf einem Tanzfestival getanzt werden muss? Man kann auch Karten spielen. Selbstmörder-Quartett. Yves Kleins berühmtem Sprung von einem Stuhl folgte ein weniger berühmter Sprung von Paul McCarthy aus dem zweiten Stock und dann ein unberühmter von Edgar Aho. Aus dem 14. Stock. Edgar Aho war kein Künstler, sondern ein Freund der libanesischen Performer Rabih Mroué und Lina Saneh.
Wie kann man diesen Sprung darstellen? Wiederholen? Die beiden spielen Karten mit der jüngeren Geschichte der Kunst des Körpers, die rein zufällig auch die Geschichte des Bürgerkriegs im Libanon ist.
Valie Export, Marina Abramovic, Stelarc, Franko B., Günter Brus, Kim Jones, Gina Pane, Chris Burden, John Duncan, Rudolf Schwarzkogler, sie alle «verletzten» die Schönheit des Tanzes durch Selbstverletzungen, durch Schnitte in den Körper, durch das Zurverfügungstellen ihres eigenen Körpers an eine latent aggressive Gesellschaft. Tanz ist seitdem das genaue Gegenteil einer Kunst, die vergangene und gegenwärtige Kriege im eigenen Körper ortet, sich selbst verstümmelt, die ihre Autoaggression gegen die vermeintliche Normalität einer Gesellschaft richtet, weil die nach Faschismus und Holocaust ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bei der Berlinale im Vorjahr gab es zwei wunderbare Tanzfilme, die später in die Kinos kamen und mit großem Erfolg noch immer laufen: «Rhythm Is It!» und die HipHop-Fantasie «Status Yo!» von Till Hastreiter (ballet-tanz 04/04). Auch in diesem Jahr waren zwei Filme zu sehen, die sich mit Tanz beschäftigten. Aber «wunderbar» ist für beide nicht das richtige Adjektiv.
...
Die Hexen haben das letzte Wort, und auch am Anfang lassen sie von sich hören. Bevor sie überhaupt zu sehen sind, erfüllt ihr Gestöhn schon den Raum, von Klaus Hellenstein stimmig ausgestaltet. Und selbst wenn sich Macbeth und seine Lady die Hände «schmutzig» machen, sind Ilja van den Bosch, Anna Panjwani und Ayako Nomura präsent: drei Zombies mit blutroten...
Wie geht es eigentlich Iztok Kovac? Und seiner slowenischen Kompanie En-Knap? Was macht der Ingenieur heute, der zu tanzen begann, weil er so verliebt war in ein Mädchen, dass er in die damalige jugoslawische Nationalmannschaft für Gesellschaftstanz eintrat? Der während des Kriegs im flämischen Belgien das Vorbild für Slovenijas Tanzszene fand und 1993 nach...
