...und Haar

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China sind haarig. Nicht nur bei Raubkopien und Menschenrechten. Auf Messers Schneide aber steht, was sich kulturell vermitteln lässt. Über das Performer-Paar Angie Hiesl und Roland Kaiser

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Vermessen

Was misst das Kind vom Scheitel bis zur Sohle? Die Füße gerade, Fersen an die Wand, die Haare platt. Vom Scheitel? Größe wird immer ab der Sohle gerechnet. Von unten. Denn oben ist Krise: Haare sind nicht mitzurechnen. Die Lockenhöhe, der Widerspenst aus Haupthaar, der krönchenhaft geknotete Zopfbelag. Nichts da. Die Größe eines Menschen markiert die Schädeldecke. Originalmenschengrößenmaß endet, wo das Haupthaar wurzelt. Die armen Mädels. Beim Messen mussten sie alles aufbinden, ihr Geflecht fallen lassen, die Türmchen einreißen.

Ihren Dachfirst aus aufgesteckten Locken. In der Schule lernten wir: Haare gehören nicht zum Gardemaß. Haar ist eine unfaire Verlängerung des Knochenbaus. Es ist, wie bei der Höhe eines Hauses. Man misst sie am Dach, nicht an der Antenne.

Angie Hiesl und Roland Kaiser

sind ein Kölner Künstlerpaar. Auch sie trägt das Türmchen. Den Dutt. Das nach oben in Schneckenhausform gedrehte Haupthaar. Er trägt das Haar, wo es noch wächst. Kurz, den Schädel sichtbar. Die beiden hielten eben eine Pressekonferenz, verkündeten ihre «china-hair-connection Peking-Köln». Klingt nach einer Haarverbindung zwischen Köln und der Partnerstadt – abertausende Kilometer ...

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Tanz August/September 2008
Rubrik: Tänzer in Teilen, Seite 18
von Arnd Wesemann

Vergriffen
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