Überliefern
Selbst ein so berühmtes Werk wie Vaslav Nijinskys «Le Sacre du printemps» wirklich rekonstruieren zu wollen, wäre verlorene Mühe, gäbe es nur die fixe Idee einer absolut originalgetreuen Reproduktion. Der Versuch, dem Original selber gleichzukommen, schrieb schon Walter Benjamin in seinem Aufsatz «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit», kann immer nur der Versuch einer Annäherung sein.
Seit Jahrzehnten suchen Millicent Hodson und Kenneth Archer in London mit kriminalistischem Gespür nach Zeugnissen zu Nijinskys «Jeux», «Sacre» und «Till Eulenspiegel», um nach eingehender Prüfung aus ihnen keine Reproduktionen, sondern ehrlicherweise «reasonable facsimiles» herzustellen, wie sie es nennen – sinnvoll nachgeahmte Kopien. «Wir forschen als Wissenschaftler und rekonstruieren als Künstler» lautet ihr Motto – das sich zuletzt in der Übersetzung von Nijinskys «Sacre» am Hamburg Ballett im Rahmen von John Neumeiers «Hommage aux Ballets Russes» großartig bewies. Ihr Motto besagt, worin der Hauptzweifel besteht: Die historische Wissenschaft und das heutige Kunstschaffen, der heute heutig tanzende Tänzer und das heute mit heutigen Augen sehende Publikum, selbst die ...
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Yair Vardi wurde in Israel nur inoffiziell «Mister Dance» genannt. Aber jetzt ist er stolzer Träger des Ordens «Chevalier des Arts et des Lettres», den das französische Kulturministerium jedes Jahr an zweihundert Notabeln aus aller Welt vergibt. Zu dieser Ehre kamen vor ihm in Israel nur der illustre Yonatan Karmon und die Tanzikone Ohad Naharin. Vardi war in den...
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Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine...
