Überliefern
Selbst ein so berühmtes Werk wie Vaslav Nijinskys «Le Sacre du printemps» wirklich rekonstruieren zu wollen, wäre verlorene Mühe, gäbe es nur die fixe Idee einer absolut originalgetreuen Reproduktion. Der Versuch, dem Original selber gleichzukommen, schrieb schon Walter Benjamin in seinem Aufsatz «Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit», kann immer nur der Versuch einer Annäherung sein.
Seit Jahrzehnten suchen Millicent Hodson und Kenneth Archer in London mit kriminalistischem Gespür nach Zeugnissen zu Nijinskys «Jeux», «Sacre» und «Till Eulenspiegel», um nach eingehender Prüfung aus ihnen keine Reproduktionen, sondern ehrlicherweise «reasonable facsimiles» herzustellen, wie sie es nennen – sinnvoll nachgeahmte Kopien. «Wir forschen als Wissenschaftler und rekonstruieren als Künstler» lautet ihr Motto – das sich zuletzt in der Übersetzung von Nijinskys «Sacre» am Hamburg Ballett im Rahmen von John Neumeiers «Hommage aux Ballets Russes» großartig bewies. Ihr Motto besagt, worin der Hauptzweifel besteht: Die historische Wissenschaft und das heutige Kunstschaffen, der heute heutig tanzende Tänzer und das heute mit heutigen Augen sehende Publikum, selbst die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Meine beiden «Hoffnungsträger» waren beide Tänzer in Anne Teresa De Keersmaekers Kompanie Rosas. Beide verfolgen einen künstlerischen Weg, der sich auf die Erfahrung, Tänzer zu sein, konzentriert – mit allen Projektionen seitens des Publikums und der Choreografen, auf eine Handlung (das Tanzen), die eigentlich sehr persönlich, ja intim ist.
Vincent Dunoyer kreiert...
Dass namhafte Ballettkompanien auf internationale Tourneen gehen, ist heute vorrangig ökonomisch motiviert. Freizügigkeit, die notwendige Voraussetzung, wenn wie jüngst das englische Royal Ballet nach Kuba reisen kann, erscheint als eine Selbstverständlichkeit. Unterwegs verströmen die reisenden Künstler zwar die warme Botschaft der Völkerverständigung beim...
Der französische Tänzer und Choreograf Emmanuel Eggermont trat bereits in Raimund Hoghes Stücken «36, Avenue Georges Mandel» und «Boléro Variations» auf. In «L’Après-midi» nun beherrscht Eggermont souverän das Spiel der Blicke, der minimalen Gesten und genau gesetzten Winkel. Keine Achse verschiebt sich, kein Finger spreizt sich unkontrolliert ab. Eggermont...
