Überleben - im Arbeitsamt

Chuzpe ist nicht schlecht. Wo immer der Tänzerin Yoshiko Waki gekündigt wurde, hat man gleich das gesamte Ensemble aufgelöst. So entdeckte sie das Arbeitsamt als Bühne und verrät hier, wie man den Kampf mit Behörden, Strukturen und mangelnder Förderung auch mal gewinnen kann.

Tanz - Logo

«Ich mache lauter letzte Stücke», sagt Yoshiko Waki im Offenen Kanal, einem Bürgerfernsehen in Rheinland-Pfalz. Der Gründer dieser Anstalt aus Neustadt an der Weinstraße tritt hier als Moderator auf. Wie ein Vogel hockt die schmächtige Yoshiko Waki auf seinen starken Schultern und flötet über den kahlen Kopf von Wolfgang Ressmann hinweg: «Erst kam die Schließung der Tanzsparte an der Volksbühne Berlin, dann die Schließung in Bonn.» Heißt: Wo immer sie tanzt, wächst kein Baum mehr. Wann immer sie gekündigt wurde, war die Kompanie am Ende.

«Sehr bedenklich» findet sie das. Vor der Kamera nimmt sie ein paar Münzen in den Mund und füttert wie eine Vogelmutter den sichtlich irritierten SPD-Medienpolitiker. Er ziert sich, die Münze will nicht recht in seinen Kropf und landet im Futter seines Anzugs. In so misslicher Lage fällt ihm bloß noch die Wahrheit ein: «Geld geht immer in unsere Taschen.»

 

Yoshiko Waki, die in Münster begann, die bei Thomas Langkau in Gießen tanzte, die eine Koryphäe im Choreographischen Theater von Johann Kresnik wurde, ist heute arbeitslos. Offiziell. Natürlich tanzt sie weiter und mag am liebsten die große Szene. Auftritt mit Kamera im Arbeitsamt Bonn. Der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2009
Rubrik: Beruf: Tänzer, Seite 52
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Schotten

Die Schotten mussten für den Umbau des Stammsitzes ihres Nationalballetts, des Tramway in Glasgow, von den benötigten 11 Millionen Pfund eine satte Million Pfund (1,18 Mio. Euro) an Privatspenden aufbringen. So was ist selbst unter Geizhälsen völlig normal. Damit zeigt der Bürger dem Staat, dass er sein Ballett auch wirklich will. Durch Spendenaufrufe im Fernsehen...

One Shared Object. Profit and Loss

Wenn Kinder spielen, wirken sie wie ernsthafte Arbeiter. Sie lauschen mit sämtlichen Sinnen. Im Tanz nennt man diesen wachen, leuchtenden Zustand Präsenz. Martine Pisani und Martin Nachbar, die Französin und der Deutsche, verbindet nicht nur ihr Vorname, sondern die Lust am ernsthaften Spiel, am Zauber des Zufälligen in der Struktur eines strengen Regelwerks, in...

Ausbilden - In der Akademie

Caroline Llorca, Sie waren selbst Erste Solistin in Paris, gelten als Spezialistin der Vaganova-Technik, seit 2001 sind Sie Professorin für Klassisches Ballett an der Ballettakademie der Münchner Hochschule für Musik und Theater. Was braucht der Nachwuchs?                                                                                                          ...