Toula Limnaios «La Nef des Fols»

Berlin

Tanz - Logo

 

Die Choreografin Toula Limnaios und der Komponist Ralf R. Ollertz sind ein Match: Die Kompanie, die sie gemeinsam in Berlin aufgebaut haben, zählt zu den ganz wenigen, die mit einer eigenen Spielstätte aufwarten können. Die «Halle», ehemals sportlich bespielt und in unmittelbarer Nähe des einstigen Mauerverlaufs gelegen, ist an sich schon einen Vorstellungsbesuch wert. Überdies liefert die neue Produktion «La nef des fols» die Gelegenheit, dem Ensemble nach längerer Abstinenz wieder zu begegnen.

Was insofern lohnt, als die acht Performer*innen athletisch wie ästhetisch gut aufgestellt sind. Limnaios’ Choreografie bleibt dagegen im Klangraum einer Art Vorhölle hängen. Erst kämpft die Crew gegen Starkwinde, dann mit Seilen, Segeln und Hoodies. Das ist fein anzusehen, obwohl man nach fünf Minuten weiß, worum es geht – und absehen kann, wohin es läuft. Gleichwohl steckt das körperbetonte Bewegungsszenario voller Einfälle, die staunenswerte Vignetten hervorbringen: der Mann, der wie Barlachs «Schwebender» aus der Hinterwand des Gebäudes zu wachsen scheint; das drehkreuzartig rotierende Kollektiv, das Menschen und Schiffs-Taue organisch zusammenschweißt; schließlich die lastbündelartig ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2024
Rubrik: Kalender, Seite 33
von Dorion Weickmann

Weitere Beiträge
Baro D‘Evel «Qui Som»/ Gravity & Other Myths «The Pulse»

Auf Reisen gehen, ist großartig (S. 48) – aber bisweilen reicht es auch, den deutsch-französischen Kultursender Arte oder seine Mediathek anzuwerfen, um sich mal eben in andere Welten zu beamen. Über den Sommer locken zwei Events vor den Schirm (oder das Tablet, kleiner ist eine Sünde!), die eines verbindet: Beide gehören zum großen Spielfeld des Cirque Nouveau,...

Dorothée Munyaneza «umuko»

«umuko», das ist ein Baum aus Dorothée Munyanezas Kindheit in Ruanda. Vor fast dreißig Jahren musste die 1982 in Kigali geborene Künstlerin vor den Killerkommandos der Hutu fliehen. In London wurde sie Sängerin und Musikerin, dann in Frankreich Tänzerin und Choreografin. Und das, ohne ihre musikalische Neigung aufzugeben. Kein Wunder also, dass in ihren bisherigen...

Christos Papadopoulos/Ballet de l’Opéra de Lyon «Mycelium»

Die Natur spielt entscheidend mit, wenn Choreograf Christos Papadopoulos per Schwarmintelligenz zum Augentest lädt. In seiner Kindheit war der neue Tanzstar aus Athen fasziniert von Meereswellen, Vogelschwärmen, Fischbänken und anderen Unisoni aus freier Wildbahn. Seinen genuinen Platz in der Tanzlandschaft erarbeitete er sich mit einem lebendigen Minimalismus, der...