Christos Papadopoulos/Ballet de l’Opéra de Lyon «Mycelium»
Die Natur spielt entscheidend mit, wenn Choreograf Christos Papadopoulos per Schwarmintelligenz zum Augentest lädt. In seiner Kindheit war der neue Tanzstar aus Athen fasziniert von Meereswellen, Vogelschwärmen, Fischbänken und anderen Unisoni aus freier Wildbahn. Seinen genuinen Platz in der Tanzlandschaft erarbeitete er sich mit einem lebendigen Minimalismus, der seit fast zehn Jahren das Publikum zur Kontemplation anhält und gleichzeitig höchste Spannung erzeugt.
Für «Mycelium» gilt das umso mehr, als Papadopoulos hier nicht mehr mit den sieben bis acht Tänzer*innen seiner Kompanie vorliebnehmen muss, sondern den Quantensprung zum großen Ensemble des Ballet de l’Opéra de Lyon vollziehen kann. Papadopoulos’ scheinbar im Raum verschmelzende Individuen schaffen in «Mycelium» eine Reihe optischer Illusionen in Chiaroscuro. Dabei führt er das Opernballett sozusagen unter die Erde. Inspiration liefert das Mycel, jene unterirdischen Fäden, über welche Pilze Informationen untereinander austauschen. Doch eines stellt der einstige Tänzer von Dimitris Papaioannou klar: «Ich mache keine Ökostücke!» Da gibt es keinen Diskurs, sondern eine Aufforderung, die Sinne zu schärfen. Oder sich von ...
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Tanz August/September 2024
Rubrik: Tanz im August, Seite 28
von Thomas Hahn
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