Tot oder lebendig
Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine Recherche zum Atem und sahen im Internet Bilder von Latexhüllen, Vakuumverpackungen für den Körper.
Man hat da unzählige Assoziationen vom lebendig Eingemauerten bis hin zu tiefgefrorenen Fleischstücken. Das Einwickeln in Zellophan sollte zu einer Befreiung, einer Art Ekstase führen. Erst da ging uns auf, dass unsere Arbeit etwas mit dem Mythos der Sylphiden zu tun hat. Es reizte uns sehr, dieses verschwundene choreografische Ideal des immateriellen, ätherischen Körpers wieder aufleben zu lassen.
Ihre «Sylphiden» sind eher eine Art choreografisches Negativ-bild der klassischen Sylphiden. Haben Sie sich denn mit der Rolle der Sylphiden im 19. Jahrhundert auseinandergesetzt?
François Chaignaud: Die Sylphiden erfreuten sich damals äußerster Beliebtheit, weil sie im Ruf standen, im realen Leben erotische Prob-leme lösen zu ...
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