Tot oder lebendig
Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine Recherche zum Atem und sahen im Internet Bilder von Latexhüllen, Vakuumverpackungen für den Körper.
Man hat da unzählige Assoziationen vom lebendig Eingemauerten bis hin zu tiefgefrorenen Fleischstücken. Das Einwickeln in Zellophan sollte zu einer Befreiung, einer Art Ekstase führen. Erst da ging uns auf, dass unsere Arbeit etwas mit dem Mythos der Sylphiden zu tun hat. Es reizte uns sehr, dieses verschwundene choreografische Ideal des immateriellen, ätherischen Körpers wieder aufleben zu lassen.
Ihre «Sylphiden» sind eher eine Art choreografisches Negativ-bild der klassischen Sylphiden. Haben Sie sich denn mit der Rolle der Sylphiden im 19. Jahrhundert auseinandergesetzt?
François Chaignaud: Die Sylphiden erfreuten sich damals äußerster Beliebtheit, weil sie im Ruf standen, im realen Leben erotische Prob-leme lösen zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Diesem Anfang wohnt wahrlich ein Zauber inne: Wenn Martin Schläpfer zur neuen Spielzeit die Ballettdirektion der Deutschen Oper am Rhein übernimmt, verbinden sich mit seiner Person Hoffnung auf ästhetische Neuerung und internationale Wieder-Beachtung. Sicher, sein Vorgänger Youri Vàmos hat in den vergangenen 13 Jahren das Haus gefüllt und sein Pub-likum erfreut....
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
«More, More, More... Future» nennt Faustin Lin-yekula sein neuestes Werk, eine Kongo-Punk-Performance. Denn in seiner Heimat hat niemand ein Recht auf Zukunft, findet er. Da rezitieren zwei Sänger traumhaft schöne und dabei hoch politische Texte eines Freundes. Der schreibt sie in seiner Gefängniszelle, ist politischer Gefangener. Linyekula mutet dagegen an wie der...
