Tino Sehgal
Als im Herbst vergangenen Jahres der Kurator des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig neben dem Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz als zweiten Künstler Tino Sehgal nannte, da schauten Kenner der Tanzszene doch recht verwundert. War das nicht jener junge Choreograf, der zwei Jahre zuvor mit seinem Stück «Das 20. Jh.» aufgetreten war und splitternackt klassische Figuren der Tanz- und Performance-Avantgarde aufgeführt hatte? Die Kritik reagierte damals wenig «amused». Sehgals gewollter tänzerischer Dilettantismus mache das Unterfangen auf Dauer ermüdend, hieß es.
Da half auch nicht die Provokation zum Finale, bei dem der Tänzer an seinem Penis zupfte und zog, um schließlich mit den Worten «Je suis fontaine» auf den Boden zu urinieren.
Vom Tänzer Tino Sehgal hat man seitdem nicht mehr viel gehört. Dafür tauchte er im Zusammenhang mit Kunstausstellungen auf und sorgte hier sofort für Furore. Der Sohn eines Inders und einer Deutschen hatte sein Element gefunden und mit ihm die Kunst einen neuen Star. Sein Konzept mag einfach klingen, ja nach Scharlatanerie, aber es reizt den Kunstbegriff bis an seine Grenzen aus und befördert damit das Denken über die seit Beginn des 20. Jahrhunderts ...
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