Tino Sehgal
Als im Herbst vergangenen Jahres der Kurator des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig neben dem Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz als zweiten Künstler Tino Sehgal nannte, da schauten Kenner der Tanzszene doch recht verwundert. War das nicht jener junge Choreograf, der zwei Jahre zuvor mit seinem Stück «Das 20. Jh.» aufgetreten war und splitternackt klassische Figuren der Tanz- und Performance-Avantgarde aufgeführt hatte? Die Kritik reagierte damals wenig «amused». Sehgals gewollter tänzerischer Dilettantismus mache das Unterfangen auf Dauer ermüdend, hieß es.
Da half auch nicht die Provokation zum Finale, bei dem der Tänzer an seinem Penis zupfte und zog, um schließlich mit den Worten «Je suis fontaine» auf den Boden zu urinieren.
Vom Tänzer Tino Sehgal hat man seitdem nicht mehr viel gehört. Dafür tauchte er im Zusammenhang mit Kunstausstellungen auf und sorgte hier sofort für Furore. Der Sohn eines Inders und einer Deutschen hatte sein Element gefunden und mit ihm die Kunst einen neuen Star. Sein Konzept mag einfach klingen, ja nach Scharlatanerie, aber es reizt den Kunstbegriff bis an seine Grenzen aus und befördert damit das Denken über die seit Beginn des 20. Jahrhunderts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kreative Tanzerziehung tut Kindern gut – und hat Folgen. «Es gibt weniger Konkurrenz, weil es auch beim Tanz keine Gewinner und Verlierer gibt.» Martin Burr, Sportlehrer an einer Kölner Grundschule, geriet wie mancher Pädagoge ins Staunen: 37 Schulen setzten das Projekt «Tanz in der offenen Ganztagsgrundschule» 2004 auf den Stundenplan – eine Entwicklung, die...
Henning Paars «Romeo und Julia» am Staatstheater Braunschweig hält die blind sich wiederholende Mechanik der Machtgesellschaft am Laufen. Zwischen eisernem Vorhang und Metallwänden lauern Falltüren und Capulets Familienkäfig der verlogenen Konvention. Vom ewigen Kämpfen sind die nackten Füße blutigbraun verkrustet.
Auf den Schnipseln vergilbter Seiten, verstreut...
«Number Stations» sind Radiofrequenzen, auf denen per Zahlenreihenübertragung geheime Nachrichten versendet werden. Mossad, CIA, KGB und Stasi arbei(te)ten so. Heißt es. Man weiß es nicht gewiss. Entsprechend vage sind die Botschaften von Charles Linehans Choreografie. Schlimmster Verdacht: Vielleicht gibt es die Botschaften nicht, und alles ist Ablenkung....
