Tief geatmet: Carola Spitz
Sich im Dschungel der Namen zurechtzufinden, ist zunächst mühsam, denn Carola Spitz, wer kennt sie schon? In den Unterrichtsprotokollen der somatischen Pionierin Elsa Gindler taucht sie 1929 als Carola Joseph auf. Nach ihrer Heirat mit dem Zigarettenfabrikanten Otto Spitz in Berlin und der Flucht in die USA heißt sie zwar Spitz, aber weil‘s auf Englisch wie spucken klingt (impossible für eine, die Atmen lehrt), nennt sie sich Speads. Und da klingelt es. Unter diesem Name erschien 1983 bei Kösel «Atmen», ein Lehrbuch, das im US-Original «Breathing: The ABCs» hieß.
1940 hatte Carola Speads in Manhattan am Central Park ihr Studio of Physical Re-Education eröffnet. Ihre Partnerin: Charlotte Selver. Wie sie 1901 geboren, jüdische Emigrantin und Schülerin Gindlers, nur rebellischer und letztlich prominenter als Carola. In den 50ern kommt es zum Bruch. Wer nimmt die «Arbeit am Menschen», wie Gindler sie nannte, ernster? Charlotte wirft Carola vor, nur am Körper, nicht am Geist interessiert zu sein. Letztlich nur am Geld. Ihr Klient, der Psychoanalytiker Erich Fromm, lotst Charlotte an die New School for Social Research. Als sie Karriere macht im neuen Esalen Institut in Big Sur und ihre ...
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Tanz April 2020
Rubrik: Praxis, Seite 64
von Irene Sieben
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